Dreifaltigkeitssonntag
Lesejahr B

Deuteronomium 4,32-34.39-40
Antwortpsalm 32
Römer 8,14-17
Matthäus 28,16-20

Überlegungen
Die Liebe füllt das Leben Gottes und des Menschen. In diesem Falle stimmt die Mathematik 1+1+1 = 3 einmal nicht. Denn unser Gott, der eine und dreifaltige, ist Liebe. Liebe ist Teilen, ist umhüllende Einheit. „Die Liebe ergießt sich aus dem Herzen Gottes durch das Herz Jesu im Heiligen Geist auf die Welt und erneuert alles“ (Benedikt XVI.). Diese Worte müssen vertieft werden.

Die Katechismen fassen das Geheimnis Gottes so zusammen: „Es gibt nur einen Gott in drei Personen“. Damit ist bereits alles gesagt, aber es muss erst alles verstanden, liebend angenommen und betrachtend angebetet werden. Das Thema ist von zentraler Bedeutung auch für die Missionstätigkeit. Zu schnell wird behauptet, dass alle Völker – auch die Nicht-Christen – wissen, dass es einen Gott gibt, dass also auch die Heiden an Gott glauben. Diese Wahrheit, wenn auch mit Unterschieden und Vorbehalten, ist die Grundlage, die den Dialog zwischen den Religionen, besonders zwischen den Christen und den Anhängern anderer Religionen, ermöglicht. Auf der Grundlage eines einen und allen gemeinsamen Gottes kann eine Verständigung unter den Völkern erreicht werden im Hinblick auf gemeinsame Friedensinitiativen, die Wahrung der Menschenrechte und die Realisierung von Entwicklungsprojekten… Das ist aber nur ein Teil der Botschaft der Kirche. Sie bietet der Welt eine Botschaft mit neuen Inhalten und wichtigen Zielen an.

Für einen Christen genügt es nicht, sich nur auf den einen Gott zu stützen, noch weniger für einen Missionar, der die einzigartige Offenbarung Jesu Christi kennt, die das ganze Geheimnis Gottes in seiner Einheit und Dreifaltigkeit einschließt. Der christliche Gott ist einer, aber nicht einsam. Das Evangelium, das der Missionar verkündet, stärkt und klärt einerseits das Wissen um den Monotheismus, andererseits öffnet es den Blick für das unermessliche und außerordentliche Geheimnis Gottes, der Gemeinschaft in drei Personen ist.

„Um in das Geheimnis Gottes einzudringen, bedienen sich die Muslime des Koran, aus dem sie die 99 Namen des Allah ableiten; der hundertste bleibt unaussprechbar, da der Mensch von Gott nicht alles verstehen kann. Die Juden entdecken Gott in den Ereignissen ihrer Heilsgeschichte, die sie durch Jahrhunderte betrachtet, neu geschrieben und immer wieder gelesen haben, bevor sie in den heiligen Büchern festgehalten wurde. Für die Christen ist das Buch, das in das Geheimnis Gottes einführt, Jesus Christus. Er ist „das Buch, das durch den Lanzenstich geöffnet wurde“, er ist der Sohn Gottes, der vom Kreuz herab offenbart, dass Gott Vater, ein Geschenk der Liebe, Leben und Geist ist“ (F. Armellini). In der Tat, der von Jesus offenbarte Gott ist in erster Linie Gott-Liebe (siehe Joh 3,16; 1Joh 4,8). Er ist einer, aber in Beziehung, in Einheit von Personen. Ein Gott, der sein Leben für die Menschheitsfamilie hingibt. (*)
Der Gott der nicht-christlichen Religionen ist eher ein ferner Gott, der in seiner Welt lebt und deswegen mit religiösen Riten und Opfern aller Art günstig gestimmt werden muss. Der Gott der Bibel hingegen offenbart sich uns vor allem als ein barmherziger und gütiger Gott, „reich an Erbarmen“ (Eph 2,4); als ein Freund und Beschützer, der die Beziehung liebt; ein naher Gott (1. Lesung), der sich für sein Volk mit Zeichen und Wundern eingesetzt hat (Vers 34). Er ist kein eifersüchtiger oder mit dem Menschen konkurrierender Gott, sondern ihm liegt daran, dass „du und deine Kinder glücklich seid“ (Vers 40). Ja noch mehr: er ist ein Gott, der uns zu sich ruft, uns zu seinen Kindern und Erben macht, uns in seinen Plan einbezieht, indem er uns seinen Geist schenkt (2. Lesung, Verse 16-17).

Das ist das wahre Gesicht Gottes. Alle Völker haben das Recht und das Bedürfnis, dass ihnen die Missionare dieses Gesicht zeigen, gemäß dem Auftrag Jesu: geht, macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft und unterrichtet sie... (Verse 19-20). Deswegen sagt das Konzil: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet, gemäß dem Plan Gottes des Vaters“ (Ad Gentes 2). Das Geschenk des wahren Gottes, des einen und dreifaltigen, ist für alle Völker bestimmt; es ist etwas Neues, das alle Kulturen bereichern kann. Die Christen haben das Recht und die Pflicht, diesen Schatz mit allen zu teilen. Aus Liebe! Um diese Mission zu erfüllen, ist Jesus der ‚Gott mit uns’ geworden: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“ (Vers 20). Er begleitet jeden auf seinem Lebensweg. Mit dieser Gewissheit beten wir heute mit der Kirche, dass „wir Verkünder des Heiles werden, das allen Menschen angeboten wird“ (Tagesgebet).


Wort des Papstes
(*) „Das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens. Es ist das Geheimnis Gottes. Es ist die Quelle aller anderen Geheimnisse des Glaubens. Es ist das Licht, das erleuchtet. Es ist die grundlegende und wesentliche Lehre in der „Hierarchie der Glaubenswahrheiten“. Die ganze Heilsgeschichte ist die Geschichte der Offenbarung des wahren und einen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist, der alle, die sich von der Sünde losgemacht haben, versöhnt und eint“.
Katechismus der Katholischen Kirche, 234.


Auf den Spuren der Missionare
- 08.06. Sel. Jakob Berthieu (1838-1896), französischer Jesuit, Missionar in Madagaskar, als Märtyrer gestorben.
- 08.06. Sel. Maria Teresa Chiramel Mankidiyan (1876-1926), Karmeliterin von Kerala (Indien), Gründerin der Schwestern der Heiligen Familie, Apostolat unter der Jugend und den Armen.
- 09.06. Sel. Joseph de Anchieta (1534-1597), Jesuit von den Kanarischen Inseln, Missionar und Apostel von Brasilien, Gründer der Stadt São Paulo.
- 11.06. Hl. Barnabas, Apostel, einer der ersten Gläubigen von Jerusalem, Missionar in Antiochien und Zypern, Freund und Mitarbeiter des Hl. Paulus.
- 11.06. Sel. Ignaz Maloyan (1869-1915), Bischof der Armeniner, gestorben als Märtyrer während des armenischen Völkermordes.
- 12.06. Hl. Gaspare Bertoni (Verona 1777-1853), Gründer der Stigmatiner.
- 12.06. Sel. Mercedes María de Jesús Molina (1828-1883), Ordensschwester von Ecuador, Missionarin unter den “Jibaros-Indios”, Gründerin, gestorben in Riobamba (Ecuador).
- 12.06. Arbeit der Minderjährigen, Welttag (UNO 2002).
- 13.06. Hl. Antonius von Padua (1195-1231), portugiesischer Franziskaner, Predigtätigkeit in Frankreich und Italien, Kirchenlehrer.

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan – Comboni-Missionare (Verona)
Sito Web: www.euntes.net “Wort zur Mission”
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