Die Liebe ist die Seele der Mission

 

Weisheit 7,7-11
Psalm 89
Hebräer 4,12-13
Markus 10,17-30

Überlegungen

„In der Welt gibt es genug für die Bedürfnisse von allen, aber nicht genug für die Habgier eines jeden“ (Gandhi). Worte eines Nicht-Christen in Übereinstimmung mit der ernsten Unterweisung Jesu über den Gebrauch der zeitlichen Güter und die Gefahr des Reichtums. Der Evangelist Markus begleitet den Katechumenen und den Jünger bei einer fortschreitenden Entdeckung der „frohen Botschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ (1,1), indem er schrittweise seine Identität durch die Wunder und die Unterweisungen enthüllt. Am zentralen Abschnitt seines Evangeliums angelangt, fügt Markus die anspruchsvollsten Forderungen der christlichen Moral ein, die er um drei Themen gruppiert: die Bedingungen, um Jesus zu folgen (sich selbst verleugnen, das Kreuz auf sich nehmen: 8,32-38); die Forderungen des Familienlebens (Unauflöslichkeit der Ehe, Liebe und Respekt für die Kinder: 10,2-16); der Gebrauch der Güter (Gefahr des Reichtums, der Lohn für den, der die irdischen Güter aufgibt: 10,17-31).
Diese drei Themen werden skandiert von drei Ankündigungen des Leidens und der Auferstehung (8,31; 9,31; 10,32-34); und es werden drei Wunder Jesu eingefügt, der zwei Blinden die Augen öffnet: der Blinde von Betsaida (8,22-25) und der Blinde von Jericho (10,46-52). Höchst bedeutungsvoll sind die Worte, die Jesus an diesen Blinden richtet: „Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht“. Und der Blinde, nun geheilt, wird ein Jünger und folgt Jesus. Im heutigen Evangelium sagt Markus, daß der Weg der christlichen Moral – und somit, das Heil! – „unmöglich ist für die Menschen, aber nicht für Gott!“ (V. 27). Alles ist möglich für Gott, der uns die Augen öffnet für den Weg, den es zu gehen gilt, und uns mit dem Glauben die Kraft gibt, ihn zu befolgen.
Christus lädt dazu ein, den Personen den ersten Platz einzuräumen, und nicht den materiellen Gütern; Er ist für die Armen, aber gegen die Armut; er redet nicht für die Armut, sondern für die Gemeinschaft; die Güter haben nur dann einen Sinn, wenn sie Zeichen und Mittel der Begegnung mit den andern im gegenseitigen Teilen sind. Jesus verurteilt nicht den Reichtum in absoluter Weise und er singt nicht das Lob des Elends und des Hungers, sondern lehrt, wie die Güter zu benutzen sind: mit Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe. Dem jungen Mann des Evangeliums, „der ein großes Vermögen hatte“ (V. 22) und treu war in der Erfüllung der Gebote (V. 20) schenkt Jesus einen Blick voll Liebe (V. 21), indem er ihn einlädt, über die Erfüllung des Gesetzes hinauszugehen und einen Qualitätssprung zu machen: nämlich, in die Logik der Liebe und des Teilens des Vermögens mit den Armen einzutreten. In dieser Weise behauptet man seine eigene Freiheit den Dingen gegenüber, die zwar schön und gut sind, von denen man jedoch nicht abhängig und gefangen bleiben darf. Nur so läßt sich das Leben in Freiheit leben: als Geschenk und Teilen mit den andern. In der Nachfolge des Herrn (V. 21) entdeckt man den Reichtum und die Freude des Schatzes ..
Der Weise (I. Lesung) entdeckt, daß die Weisheit, die von Gott kommt, mehr wert ist als die Reichtümer, mehr als Gesundheit und Schönheit (V. 9-10). Das Wort Gottes, „lebendig und kraftvoll“ (II. Lesung), das den Sinn der Dinge und die Tiefe des menschlichen Herzens ergründet (V. 12), läßt verstehen, daß im Christentum die Haupttugend nicht die Armut ist und auch nicht das Loslassen der Dinge, sondern die Liebe, verstanden als Hingabe seiner selbst und seiner eigenen Dinge in einem Dienst der Liebe für die Andern. Darum ist „die Liebe die Seele der Mission“: die Liebe drängt zur Mission und Solidarität. Die Liebe ist Zeichen und Mittel der Gemeinschaft unter den Kirchen, im Austausch der Gaben. (*)
Die Worte Jesu an den jungen Reichen haben in diesem Missionsmonat Oktober eine eigene Resonanz: Geh... gib den Armen... komm und folge mir. Die Mission ist ein Gehen, sie ist immer ein Ausziehen aus sich selbst, sie ist Ein-sich-freuen im Finden eines Schatzes. Davon zeugen die großen Missionare, deren der Kalender im Monat Oktober gedenkt: Franz von Assisi, Daniele Comboni, Johannes XXIII, Theresia von Avila, die heiligen kanadischen Märtyrer, Laura Montoya, Antonio Maria Claret…

Wort des Papstes

(*)  „Der missionarische Elan ist stets Zeichen der Lebendigkeit unserer Kirchen gewesen (vgl. Redemptoris missio, 2). … Deshalb bitte ich alle Katholiken um das Gebet zum Heiligen Geist, daß er in der Kirche die Leidenschaft für die Mission wachsen lasse, das Reich Gottes zu verbreiten und die Missionare und Missionarinnen zu unterstützen wie auch die christlichen Gemeinden, die sich an vorderster Front, bisweilen in einem feindlichen Umfeld der Verfolgung, für diese Sendung einsetzen. Zugleich lade ich alle ein, die Gemeinschaft unter den Kirchen durch die materielle Unterstützung glaubhaft zu bezeugen, insbesondere auch in der Zeit der Krise, die die Menschheit gegenwärtig erlebt, damit die jungen Ortskirchen in der Lage sind, die Völker mit dem Evangelium der Liebe zu erleuchten.“

Benedikt XVI
Botschaft zum Weltmissionsonntag 2009

 Auf den Spuren der Missionare

- 4-25/10:        Feier der Zweiten Afrikanischen Synode in Rom.

- 11/10:           Sel. Joannes XXIII (Angelo Giuseppe Roncalli, 1881-1963), der „gute Papst“, der 1959 das II. Vatikanische Konzil einberief und es am 11. Oktober 1962 eröffnete.

- 12/10:           Gedächtnis von 4966 Märtyrern und Bekennern (+483) während der Verfolgung der Vandalen des arianischen Königs Hunnerich in Nordafrika.

-12/10: Fest der Madonna „Aparecida“, Patronin Brasiliens, besonders bei den Afrobrasilianern beliebt.

-12/10: Gedächtnis von Simon Kimbangu (+1951), Gründer der unabhängigen Kirche der Kimbanguisten im Kongo.

- 15/10:           Hl. Theresia von Jesus (Avila, 1515-1582), Reformatorin des Karmels und Gründerin neuer Klöster; Kirchenlehrerin wegen ihrer tiefen mystischen Erfahrung des Geheimnisses Gottes.

- 16/10:           Hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690), vom französischen Kloster der Heimsuchung in Paray-le-Monial, wo sie besondere Erscheinungen des Heiligsten Herzens hatte, förderte auch die Einsetzung des Herz-Jesu Festes.

- 16/10:           Sel. Agostino Thevarparampil (1891-1973), Priester aus Indien, mit dem volkstümlichen Namen „Kunjachan“ (kleiner Priester). Taufte über 5000 Dalits (Unberührbare), die niedrigsten unter den Kasten Indiens.

- 16/10:           Welttag der Ernährung, UNO-FAO (1945). Thema für 2009: „In Krisenzeiten Sicherheit der Ernährung erreichen“.

-17/10: Hl. Ignatius von Antiochien, Bischof und Märtyrer, von Kaiser Trajan ad bestias verurteil. Rom +107.

 

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Verantwortlich: P. Romeo Baallan – Missionari Comboniani (Verona)
Website: www.euntes.net  “Parola per la Missione”
Deutsch: P. Wilhelm K. Müller SVD

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XXVIII Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr B