Der Glaube macht das Herz warm und erhellt die Schritte des Jüngers

Jeremia 31,7-9
Psalm 125
Hebräer 5,1-6
Markus 10, 46-52

Überlegungen

Jericho: Stadt im Tal des Jordanflusses, 10 km nördlich des Toten Meeres, Stadt mit einem milden Klima unter dem Meeresspiegel, „Stadt der Palmen“ (Dt 34,3); wird als die erste ummauerte Stadt der Geschichte (8000 v. Chr.) betrachtet, ihre Mauern stürzten in Aufsehen erregender Weise vor dem israelitischen Volk zusammen (Jos 6). Eine Stadt, mit der Jesus wohl vertraut war. In der Nähe von Jericho war er getauft worden und lebte 40 Tage der Versuchungen; er spricht von der Straße, die von Jerusalem nach Jericho hinabführt (die Straße des Guten Samariters); hier begegnet er dem Zöllner Zachäus und vollbringt, ehe er nach Jerusalem hinaufsteigt, in einem bedeutungsvollen Zusammenhang das Wunder am blinden Bartimäus (Evangelium).

Die Heilung des Bartimäus, des Blinden von Jericho, bedeutet im Evangelium des Markus einen Ankunftspunkt und einen neuen Aufbruch. Es ist das letzte Heilungswunder, das Jesus als Abschluß einer Reihe von moralischen Unterweisungen gewirkt hat; und es ist der Punkt des Aufbruchs nach Jerusalem, wo er die Ereignisse seiner letzten Woche auf Erden erleben wird, die Heilige Woche, des triumphalen Einzugs in die Stadt bis hin zu seinem Leiden und seiner Auferstehung.

Jesus hat wichtige moralische Unterweisungen erteilt, die, wenn umgesetzt in die Praxis, die Menschen von innen heraus erneuern in einem Wandel der Gesinnung und des Verhaltens (metanoia). Die moralischen Forderungen Jesu (siehe die Abschnitte des Markusevangeliums der letzten Sonntage) vollbringen die Umkehr des Herzens mit dem Ergebnis der inneren Freiheit des Menschen. Es ist richtiger von einem Geschenk der Befreiung und Reinigung des Herzens, als von einem Verzicht zu reden, um Jesus zu entdecken und ihm zu folgen, worin der wahre Schatz besteht. Es handelt sich also um die Freiheit von Selbstsucht (sich selbst verleugnen, sein Kreuz aufnehmen: 8,32-38); Freiheit in den Affekten (Einheit und Unauflöslichkeit der Ehe, Liebe und Ehrfurcht für die Kinder: 10,2-16); Freiheit gegenüber dem Reichtum (Gefahr des Reichtums: 10,17-31); Freiheit der Macht gegenüber (Autorität als Dienst: 10,35-45)…

In einem jeden Umfeld lebt der Jünger die dauernde Spannung zwischen der vorherrschenden weltlichen Mentalität und dem Anspruch Jesu. Oft wird die Spannung Zusammenstoß, Konflikt zwischen dem Dunkel des Bösen und dem Licht des Evangeliums. An diesem Punkt, ehe Jesus nach Jerusalem hinaufzieht, siedelt Markus programmatisch die Heilung des Blinden von Jericho an (Evangelium), die er erzählt wie eine Wunder wirkende Tatsache und gleichzeitig reich an Symbolik.

Der Blinde „saß am Weg und bettelte“ (V. 46): er war unbeweglich, bettelnd, also von Andern abhängig… Als Jesus herankam, wandelte sich sein Leben: er schreit ihm zwei Mal seine Situation entgegen und ruft seine Barmherzigkeit an (V. 47-48). Er schlägt sich mit der Gruppe der Jünger herum, die ihm zunächst eine Störung sind und ihn hindern wollen, ihn dann aber ermuntern auf Jesus zuzugehen, der ihn ruft (V. 49). Der Blinde wirft den Mantel weg – Symbol seiner Sicherheit bis zu diesem Augenblick -- , er springt auf, spricht mit Jesus, empfängt von ihm den Glauben und die Sicht, und fängt an, ihm „die Straße entlang“ (V. 52) zu folgen. Die Straße, die nach Jerusalem führt, ist beschwerlich, besonders wegen der Ereignisse, die in dieser Woche Jesus erwarten; aber der Jünger, nunmehr erleuchtet, weiß, dass der Meister ihm vorausgeht und ihn hinter sich her zieht.

Bartimäus ist das Bilde des Jüngers, der endlich die Augen für das Licht des Meisters öffnet und sich entscheidet, im das Leben entlang zu folgen.  Der Ruf Jesu erreicht den Blinden nicht direkt, jemand ist damit beauftragt, ihn zu übermitteln. Diese Mittler stellen die authentischen Jünger Christi dar, die empfindsam sind für den Schrei des Andern, der das Licht sucht. Es sind jene, die den Großteil ihrer eigenen Zeit dem Hinhören auf die Probleme der Brüder, die in Not sind, widmen, die immer Worte der Ermunterung haben, die den Blinden den Weg anzeigen, der zum Meister führt“ (F. Armellini). Das ist die missionarische Verantwortung der Gemeinschaft der Glaubenden: von der Liebe Gottes verwandelt, ist es ihre Aufgabe, jedes Hindernis zu vermeiden und den Weg zu erleichtern mit dem Zeugnis und dem Wort, für alle, die das Licht und die Wahrheit Jesu suchen.

In dieser Suche nach dem Herrn ist die Taufe ein Zielpunkt, aber gleichzeitig grundlegend für den missionarischen Auftrag eines jeden Christen: der Blinde, nunmehr erleuchtet, ist von Jesus fasziniert und gibt Zeugnis vor allen von der Freude, seinen Spuren zu folgen. (*) Der missionarische Auftrag eines jeden Getauften hat keine Grenzen: er bezieht sich auf die nahe liegenden Wirklichkeiten, um bis an die Grenzen der Welt zu gelangen.

Wort des Papstes

(*)  „Die Mission beginnt im Herzen: Wenn man betend vor dem Gekreuzigten innehält und den Blick auf seine durchbohrte Seite richtet, spürt man im Innern unweigerlich die Freude, sich geliebt zu wissen, sowie den Wunsch zu lieben und selbst zum Werkzeug der Barmherzigkeit und der Versöhnung zu werden. … Die Mission beginnt immer in einem von der Liebe Gottes verwandelten Herzen; das bezeugen die unzähligen Geschichten der Heiligen und Märtyrer, die unter verschiedenen Umständen ihr Leben im Dienst des Evangeliums hingegeben haben.“

Benedikt XVI
Angelus, Weltmissionssonntag 2006

Auf den Spuren der Missionare

- 25/10: Abschluß der II. Afrikanischen Synode in Rom (2009)

- 27/10: Gedächtnis an die Begegnung der Vertreter der christlichen Kirchen, der kirchlichen Gemeinschaften und der Weltreligionen, zum ersten Mal von Papst Johannes Paul II in Assisi zu einem Tag des Gebetes für den Frieden zusammen gerufen (1986).

- 28/10: In Lima (Peru) Fest des Herrn der Wunder (Señor de los Milagros), Wunder wirkendes Bild des Gekreuzigten, von einem afrikanischen Sklaven auf eine Wand gemalt (ca. 1651), das vom Volk sehr verehrt wird.

- 28/10: Heilige Simon   (der Eiferer) und Judas Taddäus, Apostel

- 29/10: Gedächtnis der Botschaft Africae Terrarum, von Paul VI an Afrika (1967).

- 30/10: Sel. Alexius Zaryckyj (1912-1963), griechisch-katholischer Priester aus der Ukraine, als Märtyrer im Konzentrationslager von Dolinka in Kasakistan gestorben. 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)
Website:  www.euntes.net  “Parola per la Missione”
Deutsch: P. Wilhelm K. Müller SVD

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