„AUSSCHLIESSEN”: EIN VERBOTENES WORT IM EVANGELIUM UND IN DER MISSION

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P. Romeo Ballan

Besinnung

Über die Anstandsregeln hinausgehen! Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist mehr als eine Anleitung über gutes Benehmen, um jenem Dankbarkeit zu zeigen, der uns einen Dienst tut oder eine Höflichkeit erweist. Die Botschaft, die uns Lukas mit der Heilungsgeschichte von zehn Aussätzigen übermitteln will, ist von größerer Bedeutung, auch wenn nur einer –ein Samariter, ein Fremder!- zurückkommt, um  dem Herrn zu danken (V. 18). Jesus wirkt das Wunder zugunsten der von der bürgerlichen und religiösen Gesellschaft ausgegrenzten Menschen. Die damalige Gesetzgebung war überaus rigoros und peinlich genau den Aussätzigen gegenüber (Lev 13-14). Sie galten als unrein, verflucht, von Gott mit der schlimmsten Geisel bestraft. Sie mussten fern ihrer Familie und außerhalb des Dorfes hausen und den Passanten zurufen, sich ihnen nicht zu nähern. Mit seinem Wunder wirft Jesus diese ausgrenzende Mentalität über den Haufen: Das Heil Gottes wird jetzt allen angeboten, ohne jemanden auszuschließen. Die Aussätzigen sind nicht verflucht. Ihre Heilung wird vielmehr zum Zeichen der Gegenwart des Reiches: die Tatsache, dass „die Aussätzigen rein werden“ (Mt 11,5; Lk 7,22) ist ein klares Zeichen dafür, dass der Messias gekommen und am Werk ist, wie Jesus den Abgesandten des eingekerkerten Täufers  zu verstehen gibt. Von allem Anfang seines öffentlichen Auftretens zeigt Jesus Mitleid, streckt die Hand aus, rührt einen Aussätzigen an und heilt ihn (Mk 1,40-42). Der Plan Gottes schließt nie aus sondern immer ein, er ist Gemeinschaft, Zusammenführung, Teilung. Diese Öffnung wird auch in der Heilung im ausländischen Aussätzigen Naamàn, Kommandant des Königs von Aram (Syrien) (I. Lesung) ersichtlich.
Zehn Aussätzige, neun waren Juden und einer Samariter. Alle werden von Jesus geheilt, aber nicht allen wird das volle Heil zuteil. „Der Bericht zeigt uns, dass die physische Heilung sich nicht immer in endgültiges Heil verwandelt. Die neun Geheilten begeben sich auf den Weg zum Tempel, um wieder in das bürgerliche und religiöse Leben eingegliedert tu werden. Der einzige Samariter verhält sich anders als die Gruppe. Er kehrt allein zum Meister zurück, da er sich bewusst geworden ist, dass er in Jesus etwas Neues und Anderes finden kann, was ihm seine alte Gemeinschaft nicht geben kann. Jesus bietet ihm ein größeres Heil an als nur die physische Gesundheit: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen“ (V. 19)! Der Samariter hatte keine Eile, zum Tempel zu gehen (wie die anderen neun), er ist zu Jesus zurückgekehrt, “um Gott zu ehren” (V. 18). Dadurch zeigte der Samariter, dass er verstanden hatte, dass der Gott der heilt, nicht mehr im Tempel anzutreffen ist und nicht mehr dort verehrt wird, sondern vielmehr in Christus“ (Corrado Ginami).
Sich Christus anschließen, den neuen von ihm eingeweihten Weg gehen, ist die liebevolle Ermahnung des Paulus an seinen Schüler Timótheus (II. Lesung): „Denk daran, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist“ (V. 8). Paulus bleibt Christus treu, auch wenn er in Ketten leiden muss. Er verkündet ihn mit Vertrauen, in der Gewissheit, dass „das Wort Gottes nicht gefesselt ist“ (V. 9). Man kann ihm vertrauen bis zur Hingabe des Lebens, denn „er bleibt treu“ (V. 11-13). Dieses Niveau geistiger Reife hat auch der hl. Daniel Comboni erreicht, dessen Gedächtnis die Liturgie in diesen Tagen feiert. Den zukünftigen Missionaren legte er mit Nachdruck den gekreuzigten und auferstandenen Christus ans Herz und ermahnte sie, „fest auf Jesus Christus zu schauen“, ihn innig zu lieben und sich zu bemühen, immer besser zu verstehen, was ein am Kreuz für das Heil der Menschen gestorbener Gott zu bedeuten hat. Wenn sie mit lebendigem Glauben ein Geheimnis so großer Liebe betrachten und daran Gefallen finden, werden sie sich glücklich schätzen, alles für ihn hinzugeben und mit ihm sterben zu dürfen… und auch das Martyrium auf sich zu nehmen“ (Regeln 1871). (*)
Jesus suchte die Unreinen, die Häretiker, die Ausgeschlossenen, die Ausgegrenzten: er kam, “um die zerstreuten Kinder Gottes zur Einheit zusammenzuführen“ (Joh 11,52). Die Missionare sind berufen, seinem Beispiel zu folgen und wie Paulus und Comboni mit allen in Einheit zu leben; Männer und Frauen zu sein, die gegen jede Ausgrenzung sind; Menschen, die den Weg der Einheit und Solidarität und des Beisammensein wählen; Leute, die sich in der Gemeinschaft einsetzen, um die Leiden jener zu lindern, denen im Alltag zu manchen Bereichen des christlichen und bürgerlichen Lebens auf Grund von Einschränkungen und gesetzlichen Vorschriften, von welcher Seite sie immer kommen mögen, der Zugang verwehrt wird. Jesu Mission verwirklichen heißt, für die volle Einheit aller und mit allen zu arbeiten“. 

Wort des Papstes

(*) „Wenn ich euch einlade, Heilige zu werden, bitte ich euch, euch nicht mit dem Zweitbesten zufrieden zu geben. Ich bitte euch nicht, ein begrenztes Ziel zu verfolgen und alle anderen zu ignorieren… Glück ist etwas, das wir uns alle wünschen. Es ist aber eine der großen Tragödien in dieser Welt, daß viele Menschen dieses Glück nie finden, weil sie an den falschen Orten danach suchen. Der Schlüssel dazu ist hingegen sehr einfach – wahres Glück ist in Gott zu finden. Wir müssen den Mut haben, unsere tiefste Hoffnung allein auf Gott zu setzen, nicht auf Geld, Karriere, weltlichen Erfolg oder auf unsere Beziehungen zu anderen, sondern auf Gott. Er allein kann die tiefsten Bedürfnisse unseres Herzens stillen“.

Benedikt XVI.
An die Studenten der katholischen Schulen in Schottland, 17. September 2010.

Auf den Spuren der Missionare

- 10/10: Hl. Daniel Comboni (1831-1881), erster Bischof-Apostolischer Vikar von Zentralafrika; erstellte einen Plan, um “Afrika mit Hilfe der Afrikaner zu retten”; gründete zwei Missionsinstitute.  Er starb in Khartum (Sudan) im Alter von 50 Jahren.
- 11/10: Sel. Johannes XXIII. (Angelo Giuseppe Roncalli, 1881-1963), der “gute Papst”; er berief  (1959) das II. Vatikanische Konzil ein und eröffnete es am 11.10.1962.
- 12/10: Gedächtnis der 4966 Märtyrer und Bekenner (+483) während der Verfolgung der Vandalen unter dem arianischen König Geiserich in Nordafrika.
- 12/10: Fest der Muttergottes von “Aparecida”, Patronin von Brasilien, ein von den Afrobrasilianern verehrtes Bild.
- 12/10: Gedächtnis von Simon Kimbangu (+1951), Gründer der unabhängigen Kimbanguista Kirche im Kongo.
- 15/10: Hl. Teresa von Avila (1515-1582), Reformatorin des Karmel und Gründerin von neuen Klöstern; Kirchenlehrerin wegen ihrer mystischen Erfahrungen. 
- 16/10: Hl. Margherita Maria Alacoque (1647-1690), Nonne im Kloster von Paray-le-Monial, wo ihr das Herz-Jesu erschien, dessen Fest sie veranlasste. 
- 16/10: Sel. Agostino Thevarparampil (Indien, 1891-1973), Priester, bekannt unter dem Namen “Kunjachan” (kleiner Priester). Taufte mehr als 5000 “Dalits” (Unberührbare).
- 16/10: Welttag der Ernährung (FAO, 1945). - Thema 2010: “Gemeinsam gegen den Hunger”.