MISSION IST:“DEN PLANETEN ZUM HAUS ALLER VÖLKER ZU MACHEN”

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P. Romeo Ballan

Besinnung

Das Wort Gottes des heutigen Sonntags, des Weltmissionssonntags, stellt die Figur des unermüdlichen und leidenschaftlichen Paulus in den Vordergrund, der den Nichtjuden, den Heiden (ad gentes) das Evangelium verkündet, wie sich die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils technisch ausdrücken. In der zweiten Lesung an den Schüler Timótheus (II. Lesung) rechnet Paulus bereits mit seinem baldigen Martyrium. Er ist bereit, “nunmehr geopfert zu werden” (V. 6). Beim Gedanken an sein Lebensende spürt Paulus eine tröstliche innere Gewissheit: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“ (V. 7). Seine Gewissheit fußt auf seinem Glauben, auch wenn der Glaube nicht ausschließt, dass sich der Mensch, der Apostel seiner Gebrechlichkeit bewusst wird und Angstmomente durchsteht. In der Prüfung spürte Paulus die Nähe des Herrn, der „mir zur Seite stand“ und mir Kraft gab, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören“ (V. 17).

 

Dieses Pauluswort stellt in aller Kürze das Gesamtbild der Mission vor, die Jesus den Aposteln und der Kirche anvertraut hat: Aussendung, Verkündigung, Universalität, Beschwerden, Glauben, Gemeinde, Zeugnis, Ergebnisse, Martyrium… Alles wird in der Gewissheit der Gegenwart des Herrn gelebt. Darin ist Paulus Vorbild des Missionars, der ausreist, das Evangelium verkündet und sich ganz dem Herrn anvertraut. Wäre Paulus nicht ein Pharisäer, der sich zur Logik Christi bekehrte, könnte er seine Verdienste auf dem Schlachtfeld, den Sieg und die Treue (V. 7) zur Schau tragen. Am Ende seines Lebens (V. 6) stützt er sich nicht auf persönliche Verdienste, sondern beteuert seine Liebe zum Herrn und sein volles Vertrauen auf ihn, der jenen nicht verlässt, der ihn mit Liebe erwartet (V. 8). Paulus schreibt dem Herrn den Erfolg der erfüllten Mission zu, lobt ihn und übergibt sich dem, der ihn „retten und in sein himmlisches Reich führen wird“ (V. 18).

 

Der Herr beruft jeden Getauften zur Heidenmission und bezieht ihn ein. Der Christ unterstützt die Mission durch sein Gebet, seinen Einsatz und seine Mitarbeit mit den Missionaren. In erster Linie unterstützt er sie mit dem Gebet (I. Lesung). Das beharrliche Gebet des Armen und des Unterdrückten hat ein besonderes Gewicht vor dem Herrn, der alle aufnimmt, aber besonders „das Flehen des Bedrängten hört“, des Waisen und der Witwe (V. 16-17). In seiner Rechtsprechung stellt der Gott der Bibel die Gerechtigkeit wieder her, indem er für den Armen Partei ergreift. Christus bekräftigt das mit dem Gleichnis von den zwei Betern im Tempel, dem Pharisäer und dem Zöllner, das nur Lukas erzählt (Evangelium). Der Pharisäer hat seine menschliche Logik, die man als korrekt betrachtete: er rechnet Gott seine moralischen Übungen und die beispielhaften gesetzlichen Erfüllungen vor (V. 11-12), weswegen er nach seiner Meinung eine Belohnung verdient. Der Pharisäer erwartet das Heil nicht als ein Geschenk, sondern als ein Recht wegen seiner guten Taten. Das Gebet des Pharisäers ist nicht offen für Gott, sondern ist nur Selbstdarstellung und folglich Distanz und Ablehnung des Nächsten (V. 11-12). Der Herr hingegen bietet sein Heil jenem an, der demütig bekennt, dass er dessen nicht würdig ist: dem Zöllner, der sicher sündigte, aber um Mitleid bittet (V. 13). Zum Schluss kehrt nur er „als Gerechter“ nach Hause zurück, das heißt, er wird von Gott gerechtfertigt (V. 14). Vom Pharisäer wird nicht verlangt, dass er seine gesetzlichen Erfüllungen aufgibt, sondern dass er das falsche Gottesbild korrigiert, das Gott als einen Buchhalter und Kassier betrachtet, der sich nach den Werken des Menschen auszurichten hat. Der Zöllner hingegen, der die unentgeltliche Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, wird in seinem Leben die guten Werke erblühen sehen als Zeichen dafür, dass ihn der Herr –und nur Er!- gerecht macht.

 

Die Missionare, welche die Mission kennzeichnen (wie Paulus, Franz Xaver, Comboni, Cabrini, Theresa von Kalkutta…), sind überzeugt, dass sie Wächter und Verkünder eines Evangeliums sind, das aus dem Herzen Gottes zum Heil der Welt kommt. Ihrem Beispiel folgend ist jeder Glaubensbote, jeder Christ kraft der Taufe berufen, anderen das Evangelium zu verkünden. Benedikt XVI. betont, dass es sich um einen dringenden und erstrangigen Dienst an der Menschheitsfamilie handelt: „Es ist der allererste Dienst, den die Kirche der heutigen Menschheit schuldet, um die kulturellen, sozialen und ethischen Veränderungen zu evangelisieren; um das Heil Christi dem Menschen unserer Zeit anzubieten“. (*)

 

Um das Evangelium zu verbreiten, ist das persönliche Zeugnis erstrangiger als Worte, wie schon der Martyrer Ignatius von Antiochien am Anfang des zweiten Jahrhunderts betonte: „Es ist besser Christ zu sein, ohne es zu sagen, als es zu sagen, ohne es zu sein“. Neben den schon bekannten Formen der missionarischen Mitarbeit (Gebet, Opfer, Solidarität…) fügt Benedikt XVI. in der Botschaft zum Weltmissionssonntag dieses Jahres die universale Geschwisterlichkeit hinzu: „In einer multiethnischen Gesellschaft, die zunehmend von besorgniserregenden Formen der Einsamkeit und Gleichgültigkeit geprägt ist, müssen die Christen lernen, Zeichen der Hoffnung anzubieten und weltweit zu Brüdern und Schwestern zu werden. Wenn sie die großen Ideale pflegen, die die Geschichte verändern, können sie sich ohne falsche Illusionen oder unnötige Ängste dafür einsetzen, dass unser Planet zum Haus aller Völker wird“. Eine begeisternde Herausforderung für jeden! Eine unverzichtbare Herausforderung der Mission!

 

 

Wort des Papstes

(*) „An diesem Sonntag der Weltmission, an dem wir den Blick unseres Herzens über den weiten Raum der Mission schweifen lassen, sollen wir uns alle angesprochen fühlen und bereit sein, uns für die Verkündigung des Evangeliums einzusetzen. Der missionarische Elan war schon immer Zeichen der Lebendigkeit unserer Kirchen (vgl. Enzyklika Redemptoris Missio, 2) und ihre Zusammenarbeit ist ein einzigartiges Zeugnis jener Brüderlichkeit und Solidarität, die uns zu glaubwürdigen Verkündern der erlösenden Liebe macht!“

Benedikt XVI.

Botschaft zum Weltmissionssonntag  2010

 

Auf den Spuren der Missionare

- 24/10: Weltmissionssonntag mit dem Thema: “Kirchliche Gemeinschaft und Mission”.

- 24/10: Hl. Antonio Maria Claret (1807-1870), Spanier, Volksmissionar, Gründer, Bischof von Santiago de Cuba. Starb in Frankreich im Exil.

- 24/10: Tag der Vereinten Nationen (die Organisation wurde 1945 gegründet).

- 27/10: Erinnerung an das Treffen der Vertreter der christlichen Kirchen, der kirchlichen Gemeinschaften, und der Weltreligionen in Assisi, zu dem Papst Johannes Paul II. eingeladen hatte, um für den Frieden zu beten (1986).

- 28/10: In Lima (Perù) das Fest des Señor de los Milagros, wunderwirkendes Bild des Gekreuzigten, das ein afrikanischer Sklave (um 1651) an eine Wand gemalt hatte und das vom Volk sehr verehrt wird.  

- 28/10: Hl. Simon und Hl. Judas, Apostel.

- 29/10: Gedächtnis der Botschaft Africae Terrarum, von Paul VI. (1967).

- 30/10: Sel. Oleksa Zaryckyj (1912-1963), griechisch-katholischer Priester aus der Ukraine; starb als Märtyrer im Konzentrationslager Dolinka, Kasachstan.

 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)

Website:  www.euntes,net   Wort  zur  Mission

Deutsch: P. Alois Eder, MCCJ

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