Montag, 28. Dezember 2020
Papst Franziskus hat ein Jahr der Familie ausgerufen. Dieses solle am 19. März 2021 beginnen und am 26. Juni 2022 enden, sagte das katholische Kirchenoberhaupt in seinem Sonntagsgebet vom Vatikan aus. Der Papst rief Familien dazu auf, das Vergeben über die Zwietracht zu stellen. In einer Familie sollten stets drei Worte hochgehalten werden, empfahl der Papst: "Bitte", "Danke" und "Entschuldigung".

PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Bibliothek des Apostolischen Palastes
Sonntag, 27. Dezember 2020

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
Wenige Tage nach Weihnachten lädt uns die Liturgie ein, den Blick auf die Heilige Familie von Jesus, Maria und Josef zu richten. Es ist schön, darüber nachzudenken, dass der Sohn Gottes, wie alle Kinder, die Wärme einer Familie gebraucht hat. Gerade deshalb, eben weil sie die Familie Jesu ist, ist die Familie von Nazareth die Modellfamilie, in der alle Familien der Welt ihren sicheren Bezugspunkt und eine sichere Inspiration finden können. In Nazareth erblühte der Frühling des menschlichen Lebens des Gottessohnes in dem Augenblick, als er durch das Werk des Heiligen Geistes im jungfräulichen Schoß Marias empfangen wurde. In den gastlichen Mauern des Hauses von Nazareth verbrachte Jesus seine Kindheit in Freude, umgeben von der mütterlichen Fürsorge Marias und jener Josefs, in denen Jesus die Zärtlichkeit Gottes erkennen konnte (vgl. Apostolisches Schreiben Patris Corde, 2).

In Nachahmung der Heiligen Familie sind wir aufgerufen, den erzieherischen Wert der Familieneinheit wiederzuentdecken: sie muss auf die Liebe gegründet sein, die stets aufs Neue die Beziehungen regeneriert und Horizonte der Hoffnung eröffnet. In der Familie kann aufrichtige Gemeinschaft dann erlebt werden, wenn sie ein Haus des Gebets ist, wenn die Zuneigung ernsthaft, tief und rein ist, wenn die Vergebung den Sieg über die Unstimmigkeiten davonträgt, wenn die alltägliche Härte des Lebens durch gegenseitige Zärtlichkeit und ruhiges Festhalten an Gottes Willen gemildert wird. Auf diese Weise öffnet sich die Familie für die Freude, die Gott all jenen schenkt, die freudig zu geben wissen. Zugleich findet sie die geistige Kraft, sich nach außen, zu den anderen hin zu öffnen, sich in den Dienst der Brüder und Schwestern zu stellen, am Aufbau einer immer neuen und besseren Welt mitzuarbeiten; sie ist also fähig, sich zum Träger positiver Impulse zu machen; die Familie evangelisiert durch das Vorbild ihres Lebens. Es ist wahr, in jeder Familie gibt es Probleme, und manchmal gibt es auch Streit. »Pater, ich habe gestritten…«  – wir sind menschlich, wir sind schwach, und wir alle haben manchmal diese Tatsache, dass wir in der Familie streiten. Ich will euch eines sagen: wenn wir in der Familie streiten, dann sollten wir den Tag nicht beenden, ohne Frieden zu schließen. »Ja, ich habe gestritten«, aber bevor du den Tag beendest, schließ Frieden. Und weißt du warum? Weil der kalte Krieg am nächsten Tag ausgesprochen gefährlich ist. Er hilft nicht. Und sodann gibt es in der Familie drei Worte, drei Worte, die man immer schätzen sollte: »Gestatten«, »Danke«, »Entschuldigung«. »Gestatten«, um sich nicht in das Leben der anderen einzumischen. »Gestatten: darf ich etwas tun? Meinst du, ich könnte das tun?« »Gestatten«. Niemals aufdringlich sein. »Gestatten«, das erste Wort. »Danke«: viel Hilfe, viele Dienste, die wir uns als Familie gegenseitig erweisen. Immer danken. Dankbarkeit ist das Blut der edlen Seele. »Danke«. Und dann was am schwersten zu sagen ist: »Entschuldigung«. Denn wir tun unentwegt schlechte Dinge, und oft fühlt sich jemand dadurch beleidigt. »Es tut mir leid«, »Entschuldigung«. Vergesst die drei Worte nicht: »Gestatten«, »Danke«, »Entschuldigung«. Wenn es in einer Familie, im familiären Umfeld diese drei Worte gibt, denn ist die Familie in Ordnung.

Das heutige Fest ruft uns auf, dem Vorbild zu folgen, wie durch die Familie evangelisiert wird, indem es uns das Ideal der ehelichen und familiären Liebe neu vor Augen führt, wie es in dem Apostolischen Schreiben Amoris laetitia hervorgehoben wurde, dessen Veröffentlichung sich am kommenden 19. März zum fünften Mal jährt. Und es wird ein Jahr der Reflexion über Amoris laetitia geben und dies wird die Gelegenheit bieten, den Inhalt des Dokuments zu vertiefen [19. März 2021 – Juni 2022].

Diese Reflexionen werden den kirchlichen Gemeinschaften und Familien zur Verfügung gestellt, um sie auf ihrem Weg zu begleiten. Schon jetzt lade ich alle ein, sich an den Initiativen zu beteiligen, die im Lauf des Jahres gefördert und vom Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben koordiniert werden. Vertrauen wir der Heiligen Familie von Nazareth, insbesondere dem heiligen Josef, dem fürsorglichen Bräutigam und Vater, diesen Weg mit den Familien aus aller Welt an.

Die Jungfrau Maria, an die wir uns jetzt mit dem Gebet des Angelus wenden, möge für die Familien der ganzen Welt erwirken, dass sie sich immer mehr vom dem Evangelium entsprechenden Ideal der Heiligen Familie faszinieren lassen, um so zum Sauerteig einer neuen Menschheit und einer konkreten und universalen Solidarität zu werden.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern

Ich grüße euch alle, Familien, Gruppen und einzelne Gläubige, die das Angelusgebet über die sozialen Kommunikationsmittel verfolgen. Meine Gedanken gelten insbesondere den Familien, die in den letzten Monaten einen Angehörigen verloren haben oder unter den Folgen der Pandemie gelitten haben. Ich denke auch an die Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger und allen Beschäftigten im Gesundheitswesen, deren enormes Engagement an vorderster Front im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus erhebliche Auswirkungen auf das Familienleben hatte.

Und heute empfehle ich dem Herrn jede Familie an, insbesonders jene, die am stärksten durch die Schwierigkeiten des Lebens und durch die Wunden des Unverständnisses und der Trennung geprüft wurden. Möge der in Bethlehem geborene Herr ihnen allen die Gelassenheit und die Kraft schenken, vereint auf dem Weg des Guten voranzugehen.

Und vergesst diese drei Worte nicht, die sehr dabei helfen werden, die Einheit zu leben: »Gestatte« – um nicht aufdringlich zu sein, um die anderen zu respektieren – »Danke« – einander in der Familie danken,– und »Entschuldigung«, wenn wir etwas Schlechtes tun. Und bitte dieses »Entschuldigung« – oder wenn man streitet –, sagen, bevor der Tag endet: Frieden schließen, bevor der Tag zur Neige geht.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag, und vergesst bitte nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!
[L'Osservatore Romano]