Montag, 26. Januar 2026
In diesem Jahr 2026 wird der von Papst Pius XI. eingeführte und in der Kirche sehr geschätzte Weltmissionssonntag zum 100. Mal begangen. Ich habe dafür das Thema »Eins in Christus, vereint in der Mission« gewählt. Nach dem Heiligen Jahr möchte ich die ganze Kirche ermutigen, mit Freude und Eifer im Heiligen Geist den missionarischen Weg fortzusetzen. Dazu braucht es in Christus geeinte Herzen, versöhnte Gemeinschaften und von allen die Bereitschaft zur großherzigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit. (…)
BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS LEO XIV.
ZUM 100. WELTMISSIONSSONNTAG
Eins in Christus, vereint in der Mission
Liebe Brüder und Schwestern!
In diesem Jahr 2026 wird der von Papst Pius XI. eingeführte und in der Kirche sehr geschätzte Weltmissionssonntag zum 100. Mal begangen. Ich habe dafür das Thema »Eins in Christus, vereint in der Mission« gewählt. Nach dem Heiligen Jahr möchte ich die ganze Kirche ermutigen, mit Freude und Eifer im Heiligen Geist den missionarischen Weg fortzusetzen. Dazu braucht es in Christus geeinte Herzen, versöhnte Gemeinschaften und von allen die Bereitschaft zur großherzigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Beim Nachdenken über unser Eins-Sein in Christus und unser Vereint-Sein-in-der-Mission wollen wir uns von der göttlichen Gnade leiten und inspirieren lassen, um »das Feuer der missionarischen Berufung in uns zu erneuern« und gemeinsam im Engagement für die Evangelisierung voranzukommen, in »einem neuen missionarischen Zeitalter« in der Geschichte der Kirche (Predigt bei der heiligen Messe zur Heiligjahrfeier der Missionare und der Migranten, 5. Oktober 2025).
1. Eins in Christus. Missionarische Jünger, vereint in ihm und mit den Brüdern und Schwestern
Im Zentrum der Mission steht das Geheimnis der Vereinigung mit Christus. Vor seinem Leiden betete Jesus zum Vater: »Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein« (Joh 17,21). In diesen Worten wird der tiefste Wunsch Jesu, unseres Herrn, und zugleich die Identität der Kirche sichtbar, die die Gemeinschaft seiner Jünger ist, die aus der Dreifaltigkeit hervorgeht und aus und in der Dreifaltigkeit lebt, im Dienste der Geschwisterlichkeit aller Menschen und der Harmonie mit allen Geschöpfen.
Das Christsein ist nicht in erster Linie eine Reihe von Praktiken oder Ideen: Es ist ein Leben in der Einheit mit Christus, in der wir an der Relation des Sohnes mit dem Vater im Heiligen Geist teilhaben. Es bedeutet, in Christus zu bleiben wie die Reben am Weinstock (vgl. Joh 15,4), eingetaucht in das Leben der Dreifaltigkeit. Aus dieser Einheit entspringt die Gemeinschaft unter den Gläubigen und jede missionarische Fruchtbarkeit. Ja, »die communio [ist] zugleich Quelle und Frucht der Sendung», wie der heilige Johannes Paul II. lehrte (Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 32).
Deshalb besteht die erste missionarische Verantwortung der Kirche darin, die geistliche und geschwisterliche Einheit ihrer Glieder zu erneuern und lebendig zu erhalten. In vielen Situationen erleben wir Konflikte, Polarisierungen, Missverständnisse und gegenseitiges Misstrauen. Wenn dies auch in unseren Gemeinschaften geschieht, schwächt es ihr Zeugnis. Der Evangelisierungsauftrag, den Christus den Jüngern anvertraut hat, erfordert vor allem versöhnte Herzen, die nach Gemeinschaft streben. In diesem Sinne wird es von Bedeutung sein, die ökumenischen Beziehungen zu allen christlichen Kirchen zu intensivieren und dabei auch die Chancen zu nutzen, die sich aus der gemeinsamen Feier des 1700. Jahrestages des Konzils von Nizäa ergeben haben.
Schließlich – aber nicht weniger wichtig – ruft uns das „Einssein in Christus“ dazu auf, unseren Blick stets auf den Herrn zu richten, damit er wirklich im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens, jedes Wortes, jeder Handlung und jeder zwischenmenschlichen Beziehung steht, sodass wir voller Staunen sagen können: »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20). Dies wird möglich im beständigen Hören auf sein Wort und durch die Gnade der Sakramente, um lebendige Bausteine der Kirche zu sein, die heute aufgerufen ist, die Grundanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden päpstlichen Lehramtes, insbesondere das von Papst Franziskus, aufzugreifen. Wie der heilige Paulus sagt: »Wir verkünden nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn« (2 Kor 4,5). Ich wiederhole daher die Worte des heiligen Paul VI.: »Es gibt keine wirkliche Evangelisierung, wenn nicht der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von Jesus von Nazaret, des Sohnes Gottes, verkündet werden« (Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 22). Dieser Prozess echter Evangelisierung beginnt im Herzen jedes Christen und erstreckt sich dann auf die ganze Menschheit.
Je mehr wir also in Christus vereint sind, desto mehr können wir gemeinsam die Sendung erfüllen, die er uns anvertraut.
2. Vereint in der Mission. Damit die Welt an Christus, den Herrn, glaubt
Die Einheit der Jünger ist kein Selbstzweck: Sie ist auf die Sendung ausgerichtet. Jesus sagt dies ganz klar: »Damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.« (Joh 17,21). Erst im Zeugnis einer versöhnten, geschwisterlichen und solidarischen Gemeinschaft entfaltet die Verkündigung des Evangeliums ihre volle kommunikative Kraft.
In dieser Hinsicht verdient das Motto des seligen Paolo Manna Beachtung: »Die ganze Kirche für die Bekehrung der ganzen Welt«. Es bringt das Ideal auf den Punkt, das 1916 zur Gründung der Päpstlichen Missionsvereinigung führte. Ihr gilt anlässlich ihres 110-jährigen Bestehens meine Anerkennung und mein Segen für ihr Engagement, den missionarischen Geist von Priestern, Ordensleuten und Laien zu beleben und zu formen und die Vereinigung aller an der Evangelisierung beteiligten Kräfte zu fördern. Kein Getaufter ist nämlich von der Mission ausgeschlossen oder ihr gegenüber gleichgültig: alle, also jeder entsprechend seiner Berufung und seiner Lebenssituation, nehmen an dem großen Werk teil, das Christus seiner Kirche anvertraut. Papst Franziskus hat mehrfach daran erinnert, dass die Verkündigung des Evangeliums immer ein gemeinsames, gemeinschaftliches, synodales Handeln ist.
Deshalb bedeutet Einheit in der Sendung, die Spiritualität der Gemeinschaft und der missionarischen Zusammenarbeit zu bewahren und zu pflegen. Indem wir jeden Tag in dieser Haltung wachsen, lernen wir mit Gottes Gnade, unsere Brüder und Schwestern immer mehr mit den Augen des Glaubens zu sehen, mit Freude das Gute zu erkennen, das der Heilige Geist in jedem wirkt, die Verschiedenheit als Reichtum anzunehmen, die Lasten der anderen zu tragen und immer die Einheit zu suchen, die von oben kommt. Denn wir alle haben gemeinsam eine einzige Sendung von »einem Herrn, einem Glauben, einer Taufe, einem Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist« (vgl. Eph 4,1-6). Diese Spiritualität ist die alltägliche Form der missionarischen Nachfolge. Sie hilft uns, eine universale Sicht des Evangelisationsauftrages der Kirche wiederzugewinnen und die Zersplitterung der Bemühungen und die spaltenden Gruppenbildungen wie die „des Paulus“, „des Apollos“ unter den Anhängern des einen Herrn zu überwinden (vgl. 1 Kor 1,10-12).
Die missionarische Einheit ist natürlich nicht als Uniformität zu verstehen, sondern als Zusammenwirken verschiedener Charismen für dasselbe Ziel: die Liebe Christi sichtbar zu machen und alle zur Begegnung mit ihm einzuladen. Die Evangelisierung verwirklicht sich, wenn die lokalen Gemeinschaften miteinander zusammenarbeiten und wenn kulturelle, spirituelle und liturgische Unterschiede sich voll und ganz und harmonisch in demselben Glauben ausdrücken. Ich ermutige daher die kirchlichen Institutionen und Einrichtungen, das Gefühl der missionarischen Gemeinschaft der Kirche zu stärken und mit Kreativität konkrete Wege der Zusammenarbeit untereinander für und in der Mission zu entwickeln.
In diesem Zusammenhang danke ich den Päpstlichen Missionswerken für ihren Dienst an der missionarischen Zusammenarbeit, den ich bereits während meines Wirkens in Peru anerkennend erfahren habe. Diese Werke – das Missionswerk der Glaubensverbreitung, das Kindermissionswerk, das Missionswerk des Heiligen Apostels Petrus und die Missionsvereinigung – nähren und formen weiterhin das missionarische Bewusstsein der Gläubigen, von Klein und Groß, und fördern ein Netzwerk des Gebets und der Nächstenliebe, das die Gemeinschaften der ganzen Welt verbindet. Es ist bezeichnend, dass die Gründerin des Missionswerkes der Glaubensverbreitung, die selige Pauline Marie Jaricot, vor zweihundert Jahren den Lebendigen Rosenkranz ins Leben gerufen hat, der auch heute noch viele Gläubige in Gebetsgruppen aus der Ferne zusammenbringt, um für alle spirituellen und missionarischen Anliegen zu beten. Es sei auch daran erinnert, dass Pius XI. auf Vorschlag des Missionswerkes der Glaubensverbreitung 1926 den Weltmissionssonntag ins Leben rief, dessen jährliche Kollekte im Namen des Papstes für die verschiedenen Bedürfnisse der kirchlichen Mission verteilt wird. Die vier Werke spielen also insgesamt und jedes für sich in seiner Besonderheit nach wie vor eine wertvolle Rolle für die gesamte Kirche. Sie sind ein lebendiges Zeichen der Einheit und der kirchlichen Missionsgemeinschaft. Ich lade alle ein, mit ihnen dankbar zusammenzuarbeiten.
3. Mission der Liebe. Die treue Liebe Gottes verkünden, leben und weitergeben
Einheit ist die Voraussetzung für die Mission, die Liebe ist ihr Inhalt. Die Frohe Botschaft, die wir der Welt verkünden sollen, ist kein abstraktes Ideal: Es ist das Evangelium der treuen Liebe Gottes, die im Antlitz und im Leben Jesu Christi Gestalt angenommen hat.
Die Mission der Jünger und der ganzen Kirche ist die Fortsetzung der Sendung Christi im Heiligen Geist: eine Sendung, die aus der Liebe entsteht, in der Liebe gelebt wird und zur Liebe führt. So schließt der Herr selbst sein großes Gebet zum Vater vor seinem Leiden, nachdem er um die Einheit der Jünger gebetet hat, mit den Worten ab: »damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin« (Joh 17,26). Die Apostel verkünden also das Evangelium, gedrängt von der Liebe Christi und für Christus (vgl. 2 Kor 5,14). Ebenso haben im Laufe der Jahrhunderte Scharen von Christen, Märtyrern, Bekenner und Missionaren ihr Leben gegeben, um diese göttliche Liebe der Welt bekannt zu machen. So setzt sich die Evangelisierungsmission der Kirche unter der Führung des Heiligen Geistes, des Geistes der Liebe, bis zum Ende der Zeiten fort.
Deshalb möchte ich ganz besonders den Missionaren und Missionarinnen von heute danken: Menschen, die wie der heilige Franz Xaver ihre Heimat, ihre Familie und jede Sicherheit verlassen haben, um das Evangelium zu verkünden und Christus und seine Liebe an Orte zu bringen, die oft schwierig, arm, von Konflikten geprägt oder kulturell fremd sind. Sie verschenken sich weiterhin mit Freude trotz Widrigkeiten und menschlichen Grenzen, weil sie wissen, dass Christus selbst mit seinem Evangelium der größte Reichtum ist, den es zu teilen gilt. Mit ihrer Beharrlichkeit zeigen sie, dass die Liebe Gottes stärker ist als jede Barriere. Die Welt braucht noch immer diese mutigen Zeugen Christi und die kirchlichen Gemeinschaften brauchen noch immer neue missionarische Berufungen, die uns stets am Herzen liegen müssen und für die wir unablässig zum Vater beten müssen. Möge er uns die Gabe junger Menschen und Erwachsener schenken, die bereit sind, alles zu verlassen, um Christus auf dem Weg der Evangelisierung bis an die Enden der Erde zu folgen!
In Bewunderung für die Missionare und Missionarinnen richte ich einen besonderen Appell an die gesamte Kirche: Verbinden wir uns alle mit ihnen im Evangelisationsauftrag durch das Zeugnis unseres Lebens in Christus, durch das Gebet und durch unseren Beitrag für die Missionen. Wir wissen, dass oft »die Liebe nicht geliebt wird«, wie der heilige Franz von Assisi sagte, auf den wir 800 Jahre nach seinem Heimgang besonderes schauen. Lassen wir uns von seinem Wunsch anstecken, in der Liebe des Herrn zu leben und sie an die Nahe- und Fernstehenden weiterzugeben. Er sagte: »Die Liebe dessen, der uns sehr geliebt hat, müssen wir sehr lieben« (Hl. Bonaventura von Bagnoregio, Leggenda maior, Kap. IX, 1; Franziskus-Quellen, 741). Lassen wir uns auch vom Eifer der heiligen Theresia vom Kinde Jesu anspornen. Sie hatte sich vorgenommen, ihre Sendung auch nach dem Tod fortzusetzen, und erklärte: »Ich werde nämlich im Himmel denselben Wunsch haben wie auf der Erde: Jesus zu lieben und zu bewirken, dass er geliebt wird«.« (Brief an Abbé Bellière, 24. Februar 1897).
Angeregt durch diese Zeugnisse wollen wir uns alle, jeder entsprechend seiner Berufung und den empfangenen Gaben, für den großen Auftrag der Evangelisierung einsetzen, die immer ein Werk der Liebe ist. Eure Gebete und eure konkrete Unterstützung, insbesondere anlässlich des Weltmissionssonntags, werden eine große Hilfe sein, um das Evangelium der Liebe Gottes allen Menschen zu bringen, gerade den Ärmsten und Bedürftigsten. Jede Gabe, auch die kleinste, wird zu einer bedeutenden Tat missionarischer Gemeinschaft. Deshalb erneuere ich meinen herzlichen Dank »für alles, was ihr tun werdet, um mir zu helfen, den Missionaren in allen Teilen der Welt zu helfen« (Videobotschaft zum Weltmissionssonntag 2025). Und um die geistliche Gemeinschaft zu fördern, gebe ich euch, verbunden mit meinem Segen, dieses einfache Gebet mit auf den Weg:
Gütiger Vater, schenke uns, dass wir eins sind in Christus, verwurzelt in seiner Liebe, die uns eint und erneuert. Lass alle Glieder der Kirche vereint sein in der Sendung, fügsam gegenüber dem Heiligen Geist, mutig im Zeugnis des Evangeliums, indem sie jeden Tag deine treue Liebe zu jedem Geschöpf verkünden und verkörpern.
Segne die Missionare und Missionarinnen, stütze sie in ihren Mühen, bewahre sie in der Hoffnung!
Maria, Königin der Missionen, begleite unser Evangelisierungswerk in allen Teilen der Welt: Mache uns zu Werkzeugen des Friedens und lass die ganze Welt in Christus das rettende Licht erkennen. Amen.
Aus dem Vatikan, 25. Januar 2026, 3. Sonntag im Jahreskreis, Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus.
LEO PP. XIV