P. Gilmar Santos de Sousa wurde in Salvador da Bahia/Brasilien 1961 geboren. 1989 legte er die ersten zeitlichen Gelübde ab und 1993 die ewigen. Am 19. Februar 1994 wurde er zum Priester geweiht.
P. Gilmar erinnert mich an einen Lebensabschnitt, der mich tief geprägt hat. Als ich ihn kennenlernte, betreute er die Jugendgruppe der Pfarrei Castelo Branco, die wir als Eingangstor zur afro-brasilianischen Welt in Salvador-Bahia gewählt hatten. Man hatte den Eindruck, dass Gilmar sich mit unseren pastoralen Plänen wirklich identifizierte und die Sensibilität schätzte, die sich innerhalb unserer Kongregation für die Afrobrasilianer breitzumachen begann.
Ich habe mit Interesse sein persönliches, menschliches und berufliches Wachstum verfolgt, sowie die Art mit der er sich in unseren Strukturen zurechtfand, seine Priesterweihe, seine ersten Missionseinsätze im Kongo und in Ecuador. Ich habe versucht, die Gründe seiner Rückkehr nach Brasilien zu verstehen. Man hatte den Eindruck, dass er mit sich selbst nie wirklich im Reinen war, einerseits hat er seine sehr vielen Talente nie voll umzusetzen vermocht und andererseits haben ihn immer innere Widerstände und Rechtfertigungen geplagt.
Ich hatte oft mit P. Ettore Frisotti, unserem gemeinsamen Freund, gesprochen. Wir erkannten in Gilmar viele Elemente seiner “bahianischen” Seele. Wir hatten beide den Eindruck, dass er ständig mit etwas in Konflikt stand, das größer als er war. Das zeigte sich in seiner Art über Gott zu reden und ihm zu begegnen, Glauben und Leben zu gestalten, und mit der Volksfrömmigkeit umzugehen. Es schien, als wären die kirchlichen Strukturen zu eng für ihn, als würden sie seinen apostolischen und missionarischen Eifer hemmen. Und doch öffneten sich ihm die Herzen der Menschen schneller als uns. Seine Freundschaften und tiefen Beziehungen, die er herzustellen vermochte, zeigten das. Seine Beziehungen mit den Comboni-Missionaren hingegen sind ihm nie leicht gefallen. Auch wenn er mit ihren Idealen im Einklang stand, so tat er sich schwer, sie in die Tat umzusetzen. Seine Entscheidung, sich in den Dienst der Diözese Salvador zu stellen, kann als Abschluss dieses langen und schwierigen Integrationsprozesses angesehen werden, der ihn nie zum Ziel geführt hat.
Sein Tod ist ein doppelter Verlust: einerseits der Verlust eines Menschen, der mir geholfen hat, Brasilien zu verstehen, anderseits haben wir durch seinen Tod eine Möglichkeit verloren, etwas vom afrobrasilianischen Geist in uns aufgehen zu lassen, der an der Tür unserer Kongregation geklopft hat, dem aber aus vielerlei Gründen nie Einlass gewährt worden ist.
(P. Giovanni Munari).