Ich habe P. Jorge vor fünfunddreißig Jahren in der Redaktion von Esquila Misional und Aguiluchos kennengelernt. Er war bereits Redakteur und stand am Anfang einer Tätigkeit, die er bis kurz vor seinem Lebensende ausüben und durch das geschriebene Wort ein großartiger Missionar werden würde. Mission und Journalismus waren für P. Jorge untrennbar miteinander verbunden. Obwohl er auch Einblick gewann in die pastorale Wirklichkeit von Erstevangelisierung, so erfüllte er seinen Missionsauftrag doch hauptsächlich durch sein geschriebenes Wort in Zeitschriften und Büchern, das Hauptinstrument seiner Verkündigung.
P. Jorge wurde am 14. September 1953 in Los Camichines, im Bundesstaat Jalisco, Mexiko geboren. Schon als Kind erlebte er Armut und musste große Opfer bringen. Aus diesen Erfahrungen heraus erwachte in ihm der Wunsch, Priester zu werden und anderen zu dienen. Er fand Aufnahme im Knabenseminar der Diözese Autlán. Dort erweiterte sich sein Horizont über die Diözesangrenzen hinaus, und er spürte immer deutlicher, dass Gott ihn rief, Missionar zu werden. 1975 trat er ins Comboni-Postulat von Xochimilco ein. Dort setzte er sein Philosophiestudium fort. Nach dessen Abschluss begann er in Cuernavaca das Noviziat, um die ersten Erfahrungen im Ordensleben zu sammeln. Am 21. April 1979 legte er dort seine ersten zeitlichen Gelübde ab.
Es folgten die Jahre des Theologiestudiums in Rom. In Mexiko wurde er am 23. Juli 1983 zum Priester geweiht. Nach einem weiteren Studienjahr in Rom kehrte er nach Mexiko zurück und wurde für die Mitarbeit im MBB Zentrum bestimmt. Im selben Jahr begann er an der Carlos Septién Schule die Ausbildung als Journalist und schloss sie mit einem Diplom ab. 1990 wurde er nach Peru versetzt, um die Redaktion der Zeitschrift Misión sin Fronteras zu übernehmen. Er wollte mit seiner Arbeit aber nicht nur informieren. Angesichts von Armut und Ungerechtigkeiten nahm er mehr und mehr die Rolle eines Propheten an, indem er auf Übel hinwies und sie anprangerte. Dafür musste er ein schweres Kreuz auf sich nehmen, denn er wurde missverstanden und bestraft, so dass er das Land verlassen musste, das er so sehr liebte. Von 2001 bis 2007 konnte er endlich voll in die Seelsorge einsteigen und in sehr unterschiedlichen Milieus in direkten Kontakt mit Menschen treten. Einige Jahre verbrachte er unter den Mixtecos in der Gebirgsgegend von Guerrero.
Für kurze Zeit arbeitete er auch in der Stadtpastoral von Moctezuma, in der „Märtyrer von Uganda“-Pfarrei. 2008 wurde er nach Rom berufen, um das Generalsekretariat der MBB zu übernehmen. Somit war er wieder zu seiner Journalistentätigkeit zurückgekehrt und verfolgte von nun an mit Hilfe der Medien die Arbeit der Missionare in der weiten Welt. Oft sah man ihn, ausgestattet mit seiner Kamera und seinem Journalistenausweis, das Haus verlassen, um Nachrichten über den Einsatz der Kirche zum Wohl der Ärmsten zu sammeln, und darüber zu berichten. Gerne trug er sein Poloshirt mit der Aufschrift „Comboni Press“.
2017 kehrte er mit den ersten Symptomen seiner Krankheit und Leiden, aufgrund von chirurgischen Eingriffen in Italien, nach Mexiko zurück. Mit Begeisterung übernahm er wieder die Redaktion der Missionszeitschriften Esquila Misional und Aguiluchos, denen er seine ganze Zeit und sein Herz widmete. Einige Tage vor seinem Tod wollte er noch die neueste Ausgabe der Zeitschrift vor dem Druck durchsehen, als wollte er ausdrücken, dass der Missionar auf dem Feld stirbt.
P. Jorge war klein von Gestalt, hatte aber ein großes Herz. Er gehörte zu jenen Menschen, die in einer Gruppe fast unbemerkt bleiben, auf deren Präsenz man erst aufmerksam wird, wenn sie nicht mehr da sind. Alle, die ihn gekannt haben, werden sich an ihn als einen einfachen, demütigen, sich selbst vergessenden und äußerst gütigen Mitbruder erinnern, der mit Gesten von Freundlichkeit und Aufmerksamkeit anderen gegenüber eine Atmosphäre zu schaffen wusste, die zu einer dauerhaften Freundschaft wurde. P. Jorge liebte seinen Priester- und Missionsberuf, den er als ein großes Geschenk Gottes betrachtete, das er ganz in den Dienst der Mitmenschen gestellt hat. Er spendete gerne die Sakramente und war stets dazu bereit.
Wir werden seine Worte, seinen Rat, seine Anwesenheit vermissen, sind aber sicher, dass er weiterhin unter uns präsent ist, denn die Liebe kennt weder Zeit noch Grenzen, weder Gegenwart noch Zukunft. Jorge war ein großartiger, liebevoller Mitbruder.
(P. Enrique Sánchez G. mccj).