Freitag, 13. Februar 2026
Ich bin nicht abgetaucht, aber es ist mir nicht gelungen, Euch, wie gewohnt, zu Weihnachten zu schreiben und zu grüßen und zu danken. Gerade bin ich in Juba, der Hauptstadt und organisiere Transporte von Baumaterialien für die 1200 km weit abgelegene Diözese Bentiu. Ich bin froh, dass ich über gute Menschen Euch diese Zeilen (durch Postversand von Deutschland aus) zusenden kann und lasse Euch so ein Stückweit an unserer Arbeit teilhaben; auch wenn der Brief nicht ganz persönlich ist.
Der Wiedereinstieg in das Leben im Südsudan, insbesondere in die von Fluten umgebene Stadt Bentiu, war nicht einfach was die Hitze, die Verpflegung und die Kultur betrifft; aber ich bin gut „angekommen“. Ich bin dankbar, fühle mich wohl und irgendwie am Puls des Lebens, denn mit jedem Tag erlebe ich eine neue Herausforderung.
Mit viel Mühe ist die einfache Unterkunft für den Bischof und seine kleine Gemeinschaft, zu der auch ich gehöre, nun bezugsfähig. Der Fußboden wurde mit Lehm und Kuhdung von Frauen festgeklopft. Ich werde mich jetzt auf den Bau einer zweizügigen Grundschule konzentrieren. Das Kindermissionswerk und Eure Spenden machen das Projekt erst möglich. Bildung ist sehr wichtig, denn nur wenige Kinder (ca. 20%) haben eine Gelegenheit, in die Schule zu gehen. Ohne Bildung sind sie in Gefahr, wenn sie älter sind, militärisch eingesetzt zu werden. Weitere kleinere Projekte vor allem für Jugendliche und Frauen kommen dazu (Sportplätze und Bäckerei).
In wenigen Wochen wird eine Schwesterngemeinschaft (Schwestern der Mutter Teresa) kommen, die auch eine Unterkunft brauchen. Ihr Einsatz gilt den Behinderten und ganz Armen, denn es gibt innerhalb der allgegenwärtigen Armut auch noch viel Elend, das auf dem ersten Blick nicht sichtbar ist. Wir leben hier unter Menschen, die wenig haben und täglich um ihr Leben kämpfen. Aber das kennen die hiesigen Menschen und können damit irgendwie umgehen. So sind auch die Worte der Lesungen in den Gottesdiensten sehr wirkungsvoll, weil darin das eigentliche Leben vorkommt und sie widerstandsfähig macht. Wie die Menschen Gott im Alltag wahrnehmen, beeindruckt mich. Das ist für mich wie ein Stück Religionsunterricht.
Die allgemeine Lage im Land ist nicht gut. An verschiedenen Orten wird gekämpft, die Straßen sind unsicher und die wegelagernden Soldaten verlangen mächtig Straßenzoll (ca. 50 Straßensperren von Juba nach Bentiu), weil sie schon Jahre keinen Sold bekommen und wir Güter in eine Gegend bringen, die als Oppositionsgebiet gilt. Unsere Region ist politisch total vernachlässigt und die Menschen sind vergessen bzw. unwichtig für den Staat, der als solcher versagt hat.
Trotz alledem sind wir guter Dinge, tun was wir können und es macht Freude, wieder im Herzen Afrikas zu sein, nicht zuletzt, weil ich mich durch Euch getragen, unterstützt und im Gebet begleitet erfahre.
Ich wünsche Euch und Euren Familien Gesundheit, Freude und Gottes reichen Segen.
In herzlicher Verbundenheit.