P. Alfredo Bellini ist einer der letzten Propheten gewesen. Er ist in der Nacht vom 6. August in Teresina (Brasilien) im Alter von 89 Jahren an Atemproblemen gestorben.
Er ist der Gründer des Kommunikationssystems der Diözese Balsas.
Er stammte aus Verona und erblickte 1921 das Licht der Welt. Er besuchte die Schulen der Comboni-Missionare. In Venegono studierte er Philosophie und Theologie. 1945 weihte er sich endgültig der Mission und wurde 1946 zum Priester geweiht.
Die erste Etappe seines Missionslebens ist Portugal gewesen (1951 – 1956), dann wurde er nach Mosambik versetzt, wo er zehn Jahre lang arbeitete.
Nach seinem Missionseinsatz wurde er gebeten, wieder nach Portugal zurückzukehren. Diesmal dauerte sein Aufenthalt neun Jahre. Er war stets offen für die Probleme der Mission besonders jener von Mosambik und sprach zu den Studenten des Seminars von Coimbra oft von den Ungerechtigkeiten der portugiesischen Diktatur im Ausland. Deswegen wurde P. Alfredo eines Tages nach der Predigt vor die Staatspolizei von Coimbra zitiert, wurde verhört und dann informiert, dass er sofort das Land verlassen müsse. Er wurde angeklagt, in seinen Predigten implizit behauptet zu haben, dass in Mosambik Hunger und Elend herrscht. Der Ausweisungsbefehl wurde in letzter Minute, die Fahrkarte bereits schon gelöst, aufgehoben. Ausschlaggebend dafür war das Eingreifen von Kardinal Antonio Ribeiro, der seinen Sekretär zum Ministerpräsidenten Marcelo Caetano geschickt hatte. P. Alfredo musste aber sechs Monate lang von Coimbra fern bleiben.
Nach dieser Affäre wurde er in die südbrasilianische Provinz versetzt. Als Rektor des Comboni Seminars von Vitória zeigte er gleich seine spirituellen Eigenschaften. Als Künstler und Maler verschönerte er mehrere Kirchen mit modernen und gefälligen Gemälden, welche die Armut der großen Stadtrandsiedlungen Brasiliens veranschaulichen. Drei Jahre lang war er Vize-provinzial von Südbrasilien. In Vitória arbeitete er mit Bischof Luis Fernandes zusammen, besonders beim Aufbau von Basisgemeinden.
Stets unterwegs, dynamisch und kreativ verließ er nach elf Jahren die Südprovinz und optierte für die Missionen in Maranhão in der Nordostprovinz. Er merkte bald, dass in den Massenmedien der Diözese Balsas die Stimme der Kirche fehlte. Von da an begann er sich einzusetzen und scheute keine Mühe, bis ihm die Bundesregierung endlich die Erlaubnis erteilte, eine Radiostation aufzubauen, die er “Radio Buona Novella” nannte. Sie erreicht die vier Staaten des Maranhao.
“Die Kommunikation ist die Befreiung der ärmsten Völker”, pflegte P. Alfredo zu sagen. Er rechtfertigte die Gründung der Radiostation mit den Worten: „Sie verteidigt die Kleinbauern und die Bevölkerung, die vom eigenen Grund und Boden vertrieben werden und klagt das Entstehen der großen Monokulturen an“.
P. Alfredo musste hart kämpfen, da sich die Regierung stets weigerte, „der Kirche, die sich für die Armen einsetzte und die Übel und Ungerechtigkeiten brandmarkte“, die Errichtung einer Radiostation zu bewilligen. Er wohnte als Gast bei seinen Mitbrüdern in der Pfarrei der Heiligen Familie von Brasilia, um aus nächster Nähe den Prozess zu begleiten. Schließlich gelang es ihm nach vielen Gesuchen, Schwierigkeiten und Verweigerungen die gewünschte Erlaubnis zu erhalten.
Nach Aussagen vieler Jugendlicher ist P. Alfredo „ohne Zweifel einer der letzten Propheten der Diözese Balsas gewesen. Er ist stets mutig für die Wahrheit eingestanden, hat die Ungerechtigkeiten in der Welt angeprangert und sich für die Ausgegrenzten und Benachteiligten eingesetzt“.
(P. Vincenzo Santangelo).