Paolo Antonio (besser bekannt als ‚Paolino‘) wurde am 4. November 1937 in San Pietro Apostolo, einer kleinen Stadt in der Provinz Catanzaro, Kalabrien, Diözese Lamezia Terme, geboren. Er war das erste Kind von Santo und Rosa Tomaino. Vier weitere sollten folgen. Im Alter von sechs Jahren begann Paolino die Volksschule des Dorfes. Nach dem Willen seiner Eltern sollte seine Ausbildung dort enden. Aber der Religionslehrer, Don Corrado Mazza, wollte, dass Paolino weiter studiere. Er sprach mit seinem Vater, der nicht ganz einverstanden war, aber schließlich zustimmte.
Im Jahr 1951 bestand Paolino die Mittelschulprüfung und wurde an der Lehrerbildungsanstalt eingeschrieben. Während der Ferien nach seinem zweiten Jahr wurde ihm angeboten, an einem von der Pfarrei organisierten Zeltlager teilzunehmen. Dort traf er wieder Don Corrado und vertraute ihm seinen Wunsch an, den Bedürftigen zu helfen. Don Corrado schlug ihm vor, Priester zu werden. So trat er in das Priesterseminar von Catanzaro ein. 1956 besuchte Pater Enrico Farè das Seminar. Er erzählte den Studenten von Daniel Comboni und Afrika, vom Missionsberuf und von seinen Missionserfahrungen im Südsudan. „Das ist der Weg, den ich suche“, sagte Paolino zu sich selbst. Und er erzählte es auch dem Missionar.
Am 1. September 1956 begann Paulino in Gozzano das Noviziat. Sein Theologiestudium absolvierte er anschließend in Venegono und Verona.
Während seines vierjährigen Theologiestudiums baute Paolino ein Netz von Bekannten und Freunden auf mit der Absicht, dass sie ihn einmal in der Mission unterstützen. Jeden Sonntag begleitete er die Mitbrüder, die in den Pfarreien „Missionstage“ hielten und in der Missionarischen Bewusstseinsbildung tätig waren. Er verbreitete die Zeitschriften Nigrizia und Il Piccolo Missionario, aber vor allem suchte er den Kontakt mit den Leuten und schrieb deren Adressen und Telefonnummern in sein kleines Notizbuch. Dank dieser Adressen - hinter denen sich konkrete Gesichter verbergen, die oft auf Fotos abgebildet sind, die er immer bei sich trug - wird er tun, was er tut: Wunder!
Am 9. September 1963 legte er die ewigen Gelübde ab. Am 28. Juni 1964 wurde er zusammen mit 53 anderen Mitbrüdern in Verona zum Priester geweiht. Vor seiner Ausreise nach Uganda Anfang 1965 besuchte er in London einen Sprachkurs. Er begann seinen Missionsdienst in Nyakishenyi, wurde aber bald nach Rushoroza (Kabale) versetzt. Im Oktober 1966 eröffnete Pater Paolino zusammen mit Pater Erminio Tanel die neue Mission Nyamwegabira, die von der Pfarrei Makiro, die ebenfalls von den Comboni-Missionaren betreut wurde, abgetrennt worden war.
Nach den Ferien in Italien wurde er im Januar 1971 zum Pfarrer der Mission Buhara ernannt. Er begann, Schulen und Kapellen zu bauen. Zwei Jahre später beauftragte ihn Bischof Barnabas Rugwizangonga Halem‘Imana mit der Leitung des Laienapostolats für der gesamte Diözese Kabale.
1976 kehrte Pater Paolino zur Freude aller nach Nyamwegabira zurück, blieb dort aber nur einige Monate, da er in seiner Heimat Urlaub machen wollte. Besuche bei Freunden, Missionstage, Projekte, die er für eine eventuelle Unterstützung vorlegte... Als er am 1. Juli 1977 zurückkehrte, wurde er als Pfarrer nach Makiro versetzt. 1980 machte er Urlaub in Italien und begab sich in ärztliche Untersuchungen.
Im Juli 1981 war er wieder in Uganda, in der Mission von Kambuga, wo er eine wunderbare Kirche, ein Pfarrzentrum mit zahlreichen Räumen und Sälen baute und den Grundstein legte für das, was er bereits „Kambuga Comboni College“ nannte. Ende 1989 wurde die Pfarrei an den Diözesanklerus übergeben.
Der Bischof von Mbarara schlug ihm vor, die sehr schwierige Pfarrei Kyamuhunga zu übernehmen, die seit über vier Jahren ohne Priester gewesen war. Am 1. Juli 1990 trat er seine neue Stelle an und blieb dort bis 2000. Sein früherer Enthusiasmus kehrte zurück. Die „befreundeten“ Gemeinden von Lamezia boten ihm finanzielle Unterstützung an. Ein großes Krankenhaus, eine weiterführende Schule, zahlreiche Kapellen und Krankenstationen wurden nun in den weit entfernten Gemeinden gebaut; außerdem gründete er zahlreiche landwirtschaftliche Genossenschaften, die in der Bevölkerung sofort großen Anklang fanden.
Nach einem Sabbatjahr in Italien kehrte er im September 2000 nach Uganda in die Mission Rushere zurück. Dort war er für die Seelsorge unter dem Hirtenvolk der Bahima zuständig. 2004 musste er aufgrund von Herzproblemen nach Italien zurückkehren.
Im Februar 2015 kehrte er nach Kyamuhunga zurück. Er verlangsamte zwar sein Arbeitstempo ein wenig, verfolgte aber weiterhin alles: Projekte, Korrespondenz (auch mit ehemaligen Schülern und Studenten, die nach Italien geschickt wurden, um dort ihren Abschluss zu machen), Kurse für Katechisten, Schulen, Kooperativen... Er unterstützte auch Projekte in anderen Missionen, wenn sie ihn um Hilfe baten.
Im Mai 2023 stellten sich neue Herzprobleme ein. Er wurde in ein Krankenhaus in Kampala gebracht, wo er sich gut erholte. Im Dezember dann eine neue Krise. Am 28. Dezember weilte er vierzehn Tage im Krankenhaus und wurde dann zur Genesung in das Limone Medical Centre gebracht, das die Comboni-Missionare in der Pfarrei Mbuya für ihre kranken Mitbrüder errichtet hatten, aber sein Zustand verschlechterte sich weiterhin.
Am 14. Februar stellte der ugandische Präsident Yoweri Museveni, der Pater Paolino als „den größten Entwicklungshelfer im Kigezi in den letzten fünfzig Jahren“ bezeichnete, das Präsidentenflugzeug zur Verfügung, um ihn nach Italien ins Niguarda-Krankenhaus in Mailand zu bringen, in der Hoffnung, sein Leben zu retten. Pater Paolino blieb vierzehn Tage lang dort. Dann wurde er auf ausdrücklichen Wunsch seiner Schwester mit einem Krankenwagen in seine Heimatstadt gebracht, wo er kurz nach seiner Ankunft starb. Es war der 3. März 2024.
Das Reqiem wurde am 6. Juni vom Bischof von Lamezia Terme, Serafino Parisi, in der Mutterkirche des Apostels Petrus gehalten. Am 8. schickte Präsident Museveni sein Präsidentenflugzeug, um die sterblichen Überreste von Pater Paolino – „zu wertvoll für die Ugander“ - abzuholen, um ihm in ganz Uganda die letzte Ehre erweisen zu können, bevor er in Kyamuhunga „als heiliger Nationalheld mit allen Ehren eines Staatsbegräbnisses „ beigesetzt wird.
Pater Franco Moretti, mccj