Sonntag, 15. März 2026
Als ich 1940 auf die Welt kam und in einer katholischen Familie auf-wachsen durfte, da war das Weihwasser in der Küche und im Wohn-zimmer am Eingang bzw. Ausgang. Wer ein- und ausging, sich zu einer Reise anschickte, bekam das Weihwasser; auch heute noch, so bin ich fast erstaunt gewesen, dass meine Schwägerin mir das Weihwasser empfahl, als ich 2024 mich wieder von daheim verabschiedete zur Rückreise nach Peru.

Meine älteste Schwester erzählte uns bei meinem letzten Besuch bei ihr, bevor sie kurz vor ihrem 94. Geburtstag heimgehen durfte, dass sie jeden Tag allen ihren Lieben Weihwasser gibt. Auch das haben uns die Eltern gelehrt und ich darf wohl annehmen, dass es auch da und dort in Deutschland noch so Brauch ist.

Hier in Peru habe ich in den Anden das Erlebnis, dass die Leute nach der hl. Messe darauf warten, Weihwasser zu bekommen, hier in Trujillo auf die Hand, in meinen Dörfern in den Anden auf das Haupt. Das ist meiner Ansicht nach das Gespür des gläubigen Volkes („sensus fidei“ in Latein). Vidi aquam zu Beginn der hl. Messe vor dem Konzil. Weihwasser wurde dann „unmöglich“ in Zeiten der Pandemie. Seither kann sich keiner mehr bekreuzigen beim Eingang und Ausgang der Kirche, wie es in meinem Dorf und vielen Kirchen noch Brauch war.

Den Segen der Eltern habe ich schon im Mutterleib bekommen, weil die Mutter jedes Kind der Gottesmutter empfehlen wollte. Heute gebe ich den Priestersegen noch jeden Morgen und Abend in alle vier Himmelsrichtungen.

Benedikt XVI berichtet dieses Erlebnis in seinem Elternhaus: „Ich werde nie vergessen, mit welcher Andacht und innerer Zuwendung Vater und Mutter uns Kindern, wenn wir fortgingen, zumal wenn es größerer Abschied war, mit dem geweihten Wasser das Kreuz auf Stirn und Mund zeichneten. Dieser Segen war ein Geleit, von dem wir uns geführt wussten – die Versichtbarung des Gebetes der Eltern, das mit uns ging, und die Gewissheit, dass dieses Gebet vom Segen des Erlösers getragen ist.“

Pater Alois Weiß, in Peru.

Pater Alois Weiß
Comboni-Missionar