In Pace Christi

Russo Michele

Russo Michele
Geburtsdatum : 30/01/1945
Geburtsort : S. Giovanni Rotondo (I)
Zeitliche Gelübde : 09/09/1966
Ewige Gelübde : 09/09/1969
Datum der Priesterweihe : 18/03/1970
Datum der Bischofsweihe : 21/05/1989
Todesdatum : 29/03/2019
Todesort : Milano (I)

"Wir alle sind Zeugen seiner Liebe und Leidenschaft für die Mission. Bei mehreren Gelegenheiten zögerte er nicht, sein Leben für sein Volk, die Tschadianer der Diözese Doba, zu riskieren, die seine geistlichen Söhne und Töchter, seine Brüder und Schwestern in Christus geworden waren" (aus der Botschaft des Generalrates anlässlich der Begräbnisfeier).

Michele wurde am 30. Januar 1945 in San Giovanni Rotondo (Foggia) geboren. Nach der Mittelschule in Troia (Foggia) und Sulmona (Aquila) und dem Gymnasium in Carraia (Lucca) begann er in Gozzano (Varese) das Noviziat, wo er auch am 9. September 1966 seine ersten Gelübde ablegte. In Venegono (Varese) studierte er Philosophie und Theologie und legte am 9. September 1969 die ewigen Gelübde ab. Am 18. März 1970 wurde er zum Priester geweiht.

Die ersten fünf Jahre verbrachte er in der italienischen Provinz und arbeitete ein Jahr in Neapel in der MBB und vier Jahre in Bari in der Berufungspastoral. Anschließend erhielt er Sendung in die Zentralafrikanische Provinz, zu der damals auch Tschad gehörte.

Nach einem Jahr Sprachstudium in Paris, reiste er 1976 in die Mission. Drei Jahre lang war er Vikar von Mongoumba und anschließend Pfarrer und Hausoberer von Doba.

Nach einem Sabbatjahr in Rom kehrte er nach Zentralafrika zurück, um am 1. Januar 1987 das Amt des Provinzoberen zu übernehmen.  Zwei Jahre später wurde P. Russo zum Bischof von Doba ernannt und am 21. Mai 1989 zum Bischof geweiht.

Im Sommer desselben Jahres erzählte Bischof Russo seinem Mitbruder P. Neno Contran in einem Interview von seiner Diözese: "Die Diözese Doba wurde von der Diözese Moundou abgetrennt, die mit ihren 54.000 km² so groß war wie Piemont und die Lombardei zusammen. Die Diözese Doba hat eine Ausdehnung von 28.000 km2 und liegt im äußersten Süden des Landes. Die Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen: Ngambay, Gor, Kabri usw. 96.000 gehören zur katholischen Kirche. Im Land herrscht nun Frieden. Der Einfluss des Islams nimmt ständig und überall zu. Unsere Prioritäten sind die Ausbildung von Katechisten und Gemeindeleitern, das heißt, von Christen, die im religiösen, sozialen und missionarischen Bereich mitarbeiten. Die Zukunft der Kirche liegt in den Händen der einheimischen männlichen und weiblichen Berufungen." Eines der Hauptprobleme, das der Bischof angehen musste, war der große Priestermangel und die Schulung von Laien für die Seelsorge. Nur 20 Priester standen ihm zur Verfügung: sieben einheimische Diözesanpriester, 13 Missionare und dreißig Ordensschwestern, von denen 7 aus dem Land stammten.

2011 berichtete Bischof Michele Russo: "Mein 35j-ähriger Einsatz in Tschad hat mein Selbstvertrauen gestärkt: früher war ich eher schüchtern, heute bin ich entschlossener, und wenn ich Klartext sprechen muss, tue ich es auch... Über Afrika herrscht seit vielen Jahren ein unerträgliches Schweigen. Es ist ein sehr reicher Kontinent, aber der Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Das ist nicht hinnehmbar und man darf darüber nicht schweigen!" Und gerade wegen seiner klaren Positionen und Worte wurde der Bischof am 12. Oktober 2012 des Landes verwiesen. In seiner Predigt anlässlich eines Patronatsfestes, die sehr "ungeschickt" in die Gambay-Sprache übersetzt worden war, drückte er seine Sorge über die Verwendung der Erdöleinnahmen aus, und wies darauf hin, dass die Bevölkerung weiterhin in Armut leben muss. Der Bischof wurde daraufhin „wegen Aktionen, die mit seinem Amt nicht vereinbar waren“ des Landes verwiesen.

Pater General und sein Rat bekundeten sofort ihre Solidarität mit dem Bischof und der Bevölkerung. Am 8. Januar 2013 konnte er mit Erlaubnis der Regierung in seine Diözese zurückkehren, trat aber schon am 30. Januar aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Er blieb jedoch weiterhin im Tschad, begab sich aber immer wieder zur Behandlung nach Italien.

Bischof Russo zog sich Mitte 2015 endgültig nach Italien zurück und verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Hausgemeinschaft von Mailand, wo er am 29. März 2019 starb. Das Requiem fand am 1. April 2019 in Mailand und die Beisetzung am 2. April in San Giovanni Rotondo statt.