Pater Piero Lampetti (21.02.1933 – 12.02.2025)
Piero wurde am 21. Februar 1933 in Villagrande, einem Ortsteil von Mombaroccio (Pesaro), geboren. Er war der zweite Sohn von Enrico und Gina Maggioli. Ihm folgten drei weitere Söhne; der dritte war Aldo, geboren im Januar 1935. Vater Enrico bewirtschaftete einen großen Teil des Landes als Teilpächter, und Mutter Gina half ihm dabei. Auch die Großeltern lebten in der Familie: Alle waren von einem starken Glauben getragen, und es herrschte Frieden.
Piero ging jeden Morgen mit seiner Mutter zur Messe in die Kirche. In den Sommerferien traf er dort regelmäßig einen Jungen, Modesto Generali, der fünf bis sechs Jahre älter war als er. Was ihn tief beeindruckte, war die Hingabe, mit der er ihn beten sah. Er erfuhr, dass er Seminarist war, und er wollte ihm ins Priesterseminar folgen. Er erzählte Mutter Gina davon, und sie ging zu Modestos Mutter, um zu fragen, wo ihr Sohn studierte. Sie antwortete: „Bei den Comboni-Missionaren in Pesaro.“ „Pesaro!“, antwortet Frau Gina, „das ist gar nicht so weit von Villagrande.“ Modestos Mutter lächelte sie an und sagte „Heute ist es natürlich ganz in der Nähe. Aber wenn er sein Studium beendet hat, geht er nach Afrika, und dann … wird er schrecklich weit weg sein.“ [Modesto war Seminarist in Riccione und wurde am 12. Juni 1954 in Mailand zum Priester geweiht. Er wurde sofort in die Mission nach Mexiko ausgesandt, wo er 42 Jahre lang als Missionar wirkte. Er starb am 10. Januar 2024 im Alter von 96 Jahren.]
Eines Tages besuchte Modestos Mutter ihren Sohn im Seminar von Pesaro und sprach mit dem Oberen der Gemeinschaft, Pater Pizzioli Carlo, über die „neue Berufung“, die in Villagrande erblüht war. Dieser eilte zur Familie Lampetti, zweifellos um Pieros Eintritt zum Beginn des neuen Schuljahres zu arrangieren. Auch der dritte Sohn, Aldo, war dabei und wagte zu sagen: „Ich möchte auch mit Piero nach Pesaro.“ „So sei es!“, sagte Pater Carlo lächelnd.
Am vereinbarten Tag reisten Mutter und Söhne von Villagrande nach Pesaro. Sie meldeten sich in der Villa Baratoff. In der Tasche hatten sie den Brief ihres Pfarrers, der den Vorgesetzten die hervorragende Qualität der „neuen Kandidaten“ versicherte. Am Abend wurden die beiden Brüder in zwei verschiedene Schlafsäle gebracht. „Wir dürfen nicht getrennt werden“, sagt Aldo entschieden. Und er erklärte: „Wir haben nur eine Schere und eine Bürste, um die Schuhe zu putzen und zu polieren.“ Pater Carlo lächelte: „Ausgezeichneter Grund! Ihr werdet im selben Schlafsaal und in benachbarten Betten schlafen.“ 1945 war das Leben im Seminar hart: wenig Essen und viel Lernen. Die fehlende Heizung schmerzte und überzog ihre Hände mit Frostbeulen. Doch die beiden Jungen beklagen sich nicht: Sie haben gelernt, dass man als Missionar keine Angst vor Opfern haben darf.
Innerhalb weniger Jahre überholte Aldo seinen Bruder Piero in seinem Studium und wurde im September 1959 zum Priester geweiht. Er sollte sowohl in seiner Mission in Brasilien als auch im Institut wichtige Aufgaben übernehmen. [Eine Zeit lang war er Generalverwalter. Leider starb er vor Piero am 4. Mai 1993 in São Paulo (Brasilien) im Alter von nur 58 Jahren.]
Nach erfolgreichem Abschluss der Mittelschule 1948 verbrachte Piero zwei Jahre im Seminar von Brescia. Im Oktober 1951 begann er in Florenz das Noviziat und legte am 9. September 1953 seine ersten Gelübde ab. Dann zog er nach Verona, besuchte das dreijährige Gymnasium und begann anschließend das Philosophiestudium. Im Juni 1956 wurde er zum Präfekten im Seminar von Trient ernannt. Gleichzeitig studierte er Theologie am Priesterseminar der Diözese.
Am 9. September 1959 legte Piero die ewigen Gelübde ab. Am 2. April 1960 wurde er in der Kathedrale von Trient durch Erzbischof Carlo de Ferrari, einem Stigmatiner, zum Priester geweiht. Unmittelbar danach wurde er nach Sulmona (L’Aquila) versetzt, um in der missionarischen Bewusstseinsbildung zu arbeiten und die Hausverwaltung zu übernehmen. Zwei Jahre später, im Juni 1962, reiste er nach Uganda ab. Er war 29 Jahre alt. Er blieb dort 17 Jahre, zunächst in Kitgum (1962–1972), in der Diözese Gulu, und dann in Patongo (1972–1979) als Pfarrer, immer unter der ethnischen Gruppe der Acholi. Nicht weit entfernt lebte und wirkte der inzwischen seliggesprochene Dr. Giuseppe Ambrosoli im Krankenhaus von Kalongo. Pater Piero war sein „stolzer“ Beichtvater.
Es waren schreckliche Jahre für das afrikanische Land. 1971 wurde Präsident Milton Obote durch einen Staatsstreich unter der Führung von Armeechef Idi Amin Dada gestürzt. Im folgenden Jahr befahl Amin den etwa 60.000 Asiaten, die nicht Staatsbürger Ugandas waren, das Land zu verlassen. Die ganze Wirtschaft erlitt dadurch großen Schaden. 1972 kam es zum Krieg zwischen Uganda und Tansania. Unterdessen quälte Amin die Nation mit seinen tyrannischen Torheiten. 1976 erklärte er sich selbst zum Präsidenten auf Lebenszeit. 1978 marschierte Uganda in Tansania ein, mit dem Ziel, die Region Kagera zu annektieren. Als Reaktion darauf marschierte Tansania in Uganda ein, vereinte alle Anti-Amin-Kräfte zur Ugandischen Nationalen Befreiungsfront und zwang Amin zur Flucht ins Ausland. Yusufu Lule übernahm das Präsidentenamt, wurde jedoch bald von Godfrey Binaisa ersetzt. Das Land versank im Bürgerkrieg und verarmte. Im Juni 1979 kam Pater Piero auf Heimaturlaub nach Italien mit der Absicht, einige Jahre in der Heimat zu bleiben. Er sprach darüber mit Pater Salvatore Lafita, dem Generaloberen, dessen Antwort lautete: „Die Oberen der italienischen Provinz freuen sich sehr, Dich in der Heimat willkommen zu heißen. Sie sind überzeugt, dass der Aufenthalt für Deine spirituelle und kulturelle Erneuerung, aber auch für unsere Häuser in Italien, dank Deiner Erfahrung und Deiner Beiträge in der Ausbildung und in der missionarischen Bewusstseinsbildung von Nutzen sein wird. Deshalb versetze ich Dich mit Wirkung vom 1. März 1980 nach Italien.“
Pater Piero wurde der Gemeinschaft von Pesaro für die Missionarische Bewusstseinsbildung zugewiesen. Bald wurde er auch zum Oberen der Gemeinschaft ernannt. 1993 wurde die „apostolische Schule“ Villa Baratoff geschlossen. Das Haus wurde nun als Zentrum für die Weiterbildung und als Treffpunkt für Jugendgruppen verwendet.
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten zog Pater Piero nach Lucca, wo ihm die nahegelegene Rettoria anvertraut wurde. Er widmete sich nun voll Eifer der Seelsorge und der spirituellen Begleitung der Menschen. Hier erhielt Pater Piero die Nachricht vom Tod seines Bruders Aldo.
Im März 1995 erhielt Pater Piero vom Generaloberen, Pater David Glenday, den Versetzungsbrief in die London Provinz. Vom Dawson Place aus begann er seine Arbeit der MBB. Im Januar 1997 wurde er mit der gleichen Aufgabe in Sunningdale betraut. Er organisierte Missionstage in den Pfarreien und lud die Leute ein, die Missionare in ihrer Arbeit zu unterstützen.
Im Dezember 2001 kehrt er aus gesundheitlichen Gründen nach Italien zurück. Die Generalleitung versetzte ihn mit Datum vom 1. Januar 2002 in die italienische Provinz. Pater Piero kehrte in sein geliebtes Pesaro zurück, zunächst zur Genesung, dann als aktives Mitglied der dortigen Gemeinschaft. Er blieb dort 20 Jahre lang, bis er im Januar 2022 gezwungen war, in das Zentrum „Giuseppe Ambrosoli“ in Castel d’Azzanno umzuziehen. Hier starb er am 12. Februar 2025, umgeben von der Zuneigung seiner Brüder und der Fürsorge des medizinischen Personals. Bei der Trauerfeier sagte der Hausobere Pater Giovanni Munari: „Pater Piero hatte stets gute Erinnerungen an die Mitbrüder und die Menschen, die er in Uganda kennengelernt hatte. Er gestand offen, dass er manchmal Schwierigkeiten hatte, sie zu verstehen, fügte aber gleich hinzu, dass er sie immer von ganzem Herzen geliebt habe. Sein Gesicht strahlte auch, wenn er an die vielen Jahre zurückdachte, die er in Pesaro verbracht hatte, an die Beziehungen und Freundschaften, die bis zu seinem Tod andauerten.“ Pater Giovanni fuhr fort: „Was für ein Mensch war Piero? Er war kein Intellektueller, noch mochte er große und blumige Reden. Auch schöne Diskussionen mochte er nicht, nicht einmal solche von theologischer Natur. Er durchlebte das II. Vatikanische Konzils auf seine eigene Weise und erfasste dabei vielleicht dessen wichtigsten Aspekt, nämlich, dass die Erneuerung, die vor allem in den Herzen der Menschen stattfinden musste und darin bestand, sich von allem Firlefanz der Vergangenheit zu befreien, um dem Leben und allem, was damit einhergeht, in den Mittelpunkt zu stellen. [...] Piero zeichnete sich durch seine Sanftmut, seine Seelengüte, seinen stets entgegenkommenden und positiven Charakter aus. Er liebte es, mit Menschen zusammen zu sein, besonders mit seiner Familie, mit seinen Brüdern, Neffen und Freunden. Als guter „Pesarese“ liebte er das Meer, mochte Fisch, schätzte gutes Essen und das Beisammensein.“
Er dankte der Familie Lampetti, „dass sie uns Piero und Aldo geschenkt hat und uns so oft nahe gewesen ist. Er dankte besonders Emanuela und seinen Neffen und Nichten, die ihren Onkel begleitet hatten“. Er schloss mit den Worten: „Wie ein Schiff, das den Ozean überquert und am Horizont verschwindet, hinterlässt Pater Piero eine lange, leuchtende Spur. Es ist die Spur der Dankbarkeit, Zuneigung, Anerkennung und Nostalgie. Aber wozu ist das Leben da, wenn nicht dazu, das Gute zu suchen und es großzügig zu verteilen?“
Die Verwandten wünschten, dass Pater Piero in seiner Heimat beigesetzt werde. Deshalb wurde am 21. Februar (seinem Geburtstag) in Fano in der Kirche San Cristoforo eine „messa di settima“ gefeiert, in Anwesenheit von Priestern, Verwandten, Freunden und Comboni-Laien-Missionaren aus Pesaro und Fano.