In Pace Christi

Lukudu Loro Paulino

Lukudu Loro Paulino
Geburtsdatum : 23/08/1940
Geburtsort : Juba / Sud Sudan
Zeitliche Gelübde : 09/09/1967
Ewige Gelübde : 09/09/1969
Datum der Priesterweihe : 12/04/1970
Datum der Bischofsweihe : 27/05/1979
Todesdatum : 05/04/2021
Todesort : Nairobi / Kenya

Ich traf Bischof Paulino 1975, als er Apostolischer Administrator der Diözese El Obeid war. Es war meine erste Mission im Sudan. Wir waren beide 35 Jahre alt, wurden bald Freunde und blieben es auch, als ich nach Nyala, Darfur und Abyei unter die Dinka des Südsudans versetzt wurde. Unsere Freundschaft setzte sich auch in Juba fort, als ich 2010 Provinzial der Comboni-Missionare wurde und er Erzbischof der Diözese war.

Ich muss meine ganze Vorstellungskraft bemühen, um den ersten Teil seines Lebens zu beschreiben. Er sprach nicht gern über seine persönliche Vergangenheit. Seine Aufmerksamkeit und Sorge galten der traurigen Lage seines Landes, das seit 1955 unter dem Bürgerkrieg litt.

Er wurde am 23. August 1940 in Juba (Südsudan) geboren. Dort besuchte er die Missionsschulen. 1930 begannen die Missionare viele Entwicklungsprojekte: Schulbauten, Krankenhäuser und kleine Landkliniken, Bekämpfung von Tropenkrankheiten, Kaffee-, Tee- und Teakplantagen und viele andere Projekte. 1964 mussten auf Anordnung der Regierung von Khartum alle Missionare und Missionarinnen das Land verlassen. Im Südsudan gab es bereits viele Katholiken, aber nur wenige und lauter junge Priester, denen zu viele Aufgaben übertragen werden mussten, und das inmitten einer total verworrenen Situation.

In dieser traurigen Lage wird sich der junge Paulino erinnert haben, wie ganz anders das Leben in seinem Heimatdorf Kwerijik in der Nähe von Juba vor der Ausweisung der Missionare war, und er den Ruf Gottes spürte, Comboni-Missionar zu werden. Es wird nicht einfach gewesen sein, seine Hütte in Kwerijik mit dem Comboni-Noviziat in Florenz zu vertauschen. Einige seiner Gefährten kehrten bald in ihre Heimat zurück, er aber blieb. Am 9. September 1967 legte er die ersten zeitlichen Gelübde ab und die ewigen am 9. September 1969. Am 12. April 1970 wurde er in der Kathedrale von Verona zum Priester geweiht.

Dann kehrte er in sein Heimatland zurück und arbeitete für kurze Zeit zusammen mit den anderen sudanesischen Priestern in seiner Heimatdiözese. Nach dem Abkommen von 1974 in Addis Abeba beschloss Propaganda Fide, die katholische Hierarchie im Sudan wieder zu errichten. Pater Paulino wurde zum Apostolischen Administrator von El Obeid ernannt. Er war erst 32 Jahre alt und sollte eine Diözese leiten, die dreimal so groß wie Italien war. Er wurde am 27. Mai 1979 geweiht.

Die Diözese El Obeid liegt im Nordsudan. Seine erste Aufgabe als Bischof war, Nordarabisch zu lernen, das sich vom Südarabischen stark unterscheidet.

Die Diözesanstrukturen existierten nur auf dem Papier, alles musste erst geplant werden. Die muslimische Umwelt erschwerte das Leben der Kirche; die meisten Christen waren Migranten aus dem Süden des Landes, mittellos und aus ihrer Stammeskultur herausgerissen. Er besuchte zweimal meine Mission Nyala. Er kam als Hirte, um seine Herde zu besuchen. Er kümmerte sich um die kleinen Dinge der Mitbrüder, die ihm anvertraut worden waren, und war um deren Gesundheit, Gelassenheit und Zufriedenheit besorgt. 1983 wurde er zum Metropoliten und Erzbischof von Juba ernannt. Ich wurde gebeten, die geistliche Begleitung der Seminaristen im Nationalseminar von Khartum zu übernehmen. Obwohl physisch weit voneinander entfernt, blieben wir Freunde und brüderlich verbunden. Wir trafen uns 2010 wieder, als ich zum Provinzial der Comboni-Missionare im Südsudan ernannt wurde und in Juba residierte.

Wie alle Diözesen des Landes befand sich auch die Diözese Juba in einem desolaten Zustand. Der Bürgerkrieg hatte jede dauerhafte Organisation, jede auch nur kleine Entwicklung der Diözesaneinrichtungen verhindert. Auch das Nationalseminar von Juba war aufgegeben worden und wurde zum Tummelplatz von Affen und Mäusen. Aber die Leute waren immer noch dort, und Institutionen und Gebäude warteten auf bessere Zeiten. Seine bischöfliche Aufmerksamkeit galt von allem Anfang an den Menschen: den Ordensleuten, seinen Priestern und den vielen Armen, die jeden Tag an seine Tür klopften.

Er organisierte die Kongregationen der Schwestern vom Heiligen Herzen und der Brüder des Hl. Martin de Porres neu. Während des Bürgerkriegs hatten die Diözesanpriester schwierige Zeiten erlebt. Der neue Erzbischof gab ihnen das Gefühl, wieder zu einer Familie zu gehören, in der er der ältere Bruder war. Auch für die vielen Armen von Juba war Bischof Paulino schon immer ein guter Vater gewesen, der noch nie jemanden mit leeren Händen weggeschickt hatte.

Er verbesserte das Schulsystem der Diözese. Jede Pfarrei hatte und hat ihre Volks- und Mittelschule mit Tausenden von Schülern und eine kleine Landklinik, in der die Armen von einer Krankenschwester kostenlos behandelt und gratis mit Medikamenten gegen die alltäglichen Krankheiten versorgt wurden.

Zusammen mit Ordensgemeinschaften gründete er in Juba eine Krankenpflegeschule, die bis heute medizinisches Hilfspersonal für den gesamten Südsudan ausbildet.

Als 2011 der Bürgerkrieg zu Ende ging und der Südsudan ein unabhängiger Staat wurde, errichtete der Bischof in der Diözese mit Hilfe der Comboni-Missionare eine UKW-Radiostation, um Nachrichten auszustrahlen, die Leute zu unterweisen, die Kriegswunden zu heilen und den Menschen zu helfen, sich neu zu orientieren. Der 55 Jahre lange Bürgerkrieg hatte alles und jeden erschöpft. In einer fast unmenschlichen Situation ist es ihm dank seiner Nähe zu den Menschen, seiner hoffnungsvollen Haltung, seiner Offenheit und Demut, mit allen zusammenzuarbeiten, gelungen, dem ganzen Volk, das jahrelang entmutigt und misshandelt worden war, Mut und Hoffnung einzuflößen.

Der Südsudan ist schon immer das Opfer eklatanter Ungerechtigkeiten gewesen: die Oberschule von Rumbek war die einzige im ganzen Land. Um dieser Situation abzuhelfen, die der Jugend des Südsudans den Weg zu höherer Bildung versperrt hatte, unterstütze Bischof Paulino Anfang 2000 die Eröffnung einer Katholischen Universität in Wau. Es war ein bescheidener Anfang, hat aber vielen jungen Menschen eine bessere Zukunft in Aussicht gestellt.

Um sich selbst kümmerte er sich wenig. Sein Haus beließ er bis 2019 so, wie es der italienische Comboni-Bischof bei seiner Ausweisung zurückgelassen hatte. Es bestand aus einer Art Portierwohnung, einem niedrigen Haus mit einer kleinen Veranda.

Im Verlauf der 36 Jahre als Erzbischof von Juba hatte die Portierloge ihre Funktion geändert: sie wurde zu einem Treffpunkt für die Armen; für jene, die einen Streit schlichten wollten; für jene, die ein Problem hatten und nicht wussten, zu wem sie gehen konnten. Um die Armen kümmerte sich eine Schwester, um die anderen nahm sich der Bischof persönlich an. Es waren die Leute, die es so wollten. Und er erfüllte gerne deren Wunsch, immer.

Ein letzter wichtiger Aspekt seiner Persönlichkeit war die Liebe für seine Priester. In Juba gibt es noch keine Priesterresidenz, und so bot der Bischof den älteren und kranken Priestern Unterkunft in seinem Haus. Ich habe ein paar Mal mit ihnen gefrühstückt. Es herrschte ein echter, wirklich beneidenswerter Familiengeist. Ein alter Priester ist nicht immer die netteste Person, der man begegnen und mit der man leben möchte. Dies war auch im Haus des Erzbischofs von Juba nicht anders. „Sie sind meine Priester,“ sagte er, „sie haben ihr Leben für die Kirche gegeben wie ich, wir haben Freud und Leid geteilt und sind Brüder geworden.“

So habe ich Bischof Paulino gesehen und erlebt: er war ein Comboni-Missionar, ein Mann Gottes, ein Bischof der katholischen Kirche, der sich in schwierigen Zeiten für den Südsudan, für das Wohl des Volkes, seines Landes und für die ihm anvertraute Kirche aufgebraucht hat.

Die Apostel, die den auferstandenen Herrn gesehen hatten, sind die Säulen der Urkirche geworden, eine ganz neue Realität. Bischof Paulino war sich bewusst, dass die Kirche sein Heimatland wiederbeleben und eine ganz neue Phase einleiten kann. Er ist eine Säule der jungen katholischen Kirche von El Obeid und Juba geworden.

Der Herr hat ihn am Ostermontag, dem 5. April 2021, zu sich gerufen. Das Beispiel, das er diesen beiden Kirchen hinterlassen hat, wird ihnen helfen, mit Zuversicht, Optimismus und Freude dem Herrn zu folgen, so wie sie es unter seiner langen Führung gelernt haben.
P. Luciano Perina, mccj